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Reisemedizin – ärztlich verschriebene Reisemedikamente online

Österreicherinnen und Österreicher zählen zu den reisefreudigsten Europäern, doch die medizinische Reisevorbereitung wird häufig vernachlässigt. Als verschreibender Arzt weiss ich, dass eine rechtzeitige Beratung und die passende Prophylaxe gesundheitliche Risiken am Reiseziel erheblich senken. Von der Malariaprophylaxe über die Reiseapotheke bis zur Höhenkrankheitsprävention gibt es wirksame verschreibungspflichtige Optionen für eine sichere Reise.

Atovaquon/Proguanil (Malarone) bietet 97–99 Prozent Schutz vor Malaria tropica bei korrekter Einnahme

Standby-Antibiotika wie Azithromycin oder Ciprofloxacin ermöglichen die sofortige Behandlung schwerer Reisediarrhoe

Die AGES empfiehlt eine reisemedizinische Beratung mindestens 4–6 Wochen vor Abreise in Risikogebiete

Acetazolamid 125–250 mg zweimal täglich beugt akuter Höhenkrankheit bei raschem Aufstieg über 2500 Meter vor

Über Reisegesundheit

Klinischer Überblick zur Reisemedizin

Die Reisemedizin umfasst die Prävention und Behandlung reiseassoziierter Gesundheitsrisiken.

Gemäss dem Österreichischen Tropeninstitut und der AGES erkranken je nach Reiseziel 20–60 Prozent der Reisenden an gesundheitlichen Problemen, wobei Reisedurchfall die häufigste Erkrankung darstellt.

Die zunehmende Reisetätigkeit in tropische und subtropische Regionen macht eine strukturierte Reisevorbereitung unverzichtbar.

Malaria bleibt die gefährlichste Tropenerkrankung und betrifft jährlich über 200 Millionen Menschen weltweit.

In Österreich werden gemäss AGES-Surveillance jährlich rund 80–120 importierte Malariafälle registriert, davon etwa 60 Prozent Malaria tropica.

Das Risiko variiert stark je nach Region: Subsahara-Afrika hat das höchste Übertragungsrisiko, während Südostasien und Lateinamerika mittlere bis niedrige Risikogebiete sind.

Reisedurchfall betrifft 30–50 Prozent der Reisenden in Entwicklungsländer und wird überwiegend durch enterotoxigene E. coli, Salmonellen, Shigellen und Campylobacter verursacht.

Virale Erreger wie Norovirus und parasitäre Ursachen wie Giardia spielen ebenfalls eine Rolle.

Die meisten Episoden sind selbstlimitierend, schwere Verläufe können jedoch zu erheblicher Dehydratation führen.

Häufige reisemedizinische Risiken:

  • Malaria in tropischen Regionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas
  • Reisedurchfall als häufigste Reiseerkrankung mit 30–50 Prozent Inzidenz
  • Höhenkrankheit bei Aufenthalt über 2500 Meter ohne ausreichende Akklimatisation
  • Jetlag bei Langstreckenflügen über mehr als drei Zeitzonen
  • Thromboserisiko bei Langstreckenflügen über acht Stunden
  • Sonnenbrand und Hitzschlag in tropischen Klimazonen

Verschreibungspflichtige Reisemedikamente

Die Verschreibung von Reisemedikamenten richtet sich nach dem Reiseziel, der Reisedauer und den individuellen Risikofaktoren.

Die Empfehlungen des Österreichischen Tropeninstituts und der WHO bilden die Grundlage.

Malariaprophylaxe umfasst drei zugelassene Regimes. Atovaquon/Proguanil (Malarone) 1 Tablette täglich, Beginn 1–2 Tage vor Einreise, während des Aufenthalts und 7 Tage nach Rückkehr.

Es bietet 97–99 Prozent Schutz und hat wenige Nebenwirkungen.

Doxycyclin 100 mg täglich, Beginn 1–2 Tage vorher und 4 Wochen nach Rückkehr, ist kostengünstiger, verursacht aber Photosensibilität und gastrointestinale Beschwerden.

Mefloquin wöchentlich ist eine Alternative bei Langzeitreisenden, hat jedoch neuropsychiatrische Nebenwirkungen bei 5–10 Prozent.

Reisedurchfall-Behandlung mit Standby-Antibiotikum: Azithromycin 500 mg als Einzeldosis oder 500 mg einmal täglich über drei Tage ist Mittel der Wahl in Süd- und Südostasien wegen Chinolon-Resistenz.

Ciprofloxacin 500 mg zweimal täglich über drei Tage wird für Afrika und Lateinamerika empfohlen.

Rifaximin 200 mg dreimal täglich über drei Tage ist eine nicht-systemische Alternative bei leichter bis mittelschwerer Diarrhoe.

Acetazolamid 125–250 mg zweimal täglich zur Höhenkrankheitsprävention beginnt 24 Stunden vor dem Aufstieg und wird während des Aufenthalts in grosser Höhe fortgesetzt.

Es fördert die metabolische Azidose und beschleunigt die Akklimatisation. Kontraindikationen umfassen Sulfonamidallergie und schwere Niereninsuffizienz.

Weitere verschreibungspflichtige Reisemedikamente:

  • Loperamid 2 mg als symptomatische Behandlung bei Reisedurchfall ohne Fieber oder blutigen Stuhl
  • Ondansetron 4–8 mg als Antiemetikum bei schwerer Reiseübelkeit
  • Prednisolon-Notfallset bei bekannter Insektengiftallergie für Fernreisen
  • Melatonin zur Jetlag-Behandlung bei Flügen über mehr als fünf Zeitzonen

Reisemedizinische Beratung und Risikobeurteilung

Die reisemedizinische Beratung sollte gemäss der AGES und dem Österreichischen Tropeninstitut mindestens vier bis sechs Wochen vor der Abreise erfolgen, um ausreichend Zeit für Impfungen und den Aufbau des Malariaprophylaxe-Schemas zu haben.

Individuelle Risikobeurteilung berücksichtigt Reiseziel, Reisestil (Pauschal vs. Rucksack), Reisedauer, Unterkunftsstandard, geplante Aktivitäten und individuelle Gesundheitsfaktoren.

Rucksackreisende und Langzeitreisende haben ein deutlich höheres Risiko als Pauschalurlauber in Hotelanlagen.

Klinische Faktoren bei der Beurteilung:

  • Vorerkrankungen wie Immunsuppression, Diabetes oder chronische Lungenerkrankung
  • Aktuelle Medikation und mögliche Wechselwirkungen mit Reisemedikamenten
  • Schwangerschaft oder Stillzeit als Kontraindikation für bestimmte Prophylaxen
  • Allergien, insbesondere Sulfonamidallergie bei Acetazolamid
  • Impfstatus und fehlende Auffrischungen

Bei der ärztlichen Konsultation über Dr. Presc erfassen wir Reiseziel, Reisedaten, geplante Aktivitäten, Vorerkrankungen und bestehende Medikation.

Der zugelassene Arzt empfiehlt die geeignete Prophylaxe und stellt Rezepte für die benötigten Reisemedikamente aus.

Impfberatung als wichtiger Bestandteil der Reisevorbereitung umfasst die Überprüfung des Standardimpfschutzes und die Empfehlung reisespezifischer Impfungen wie Hepatitis A und B, Typhus, Tollwut und Gelbfieber.

Gelbfieberimpfungen werden nur an autorisierten Impfstellen durchgeführt und können nicht online verschrieben werden.

Notfallplanung: Reisende sollten eine Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport abschliessen, die nächstgelegenen medizinischen Einrichtungen am Reiseziel kennen und eine Kopie ihres Medikamentenplans bei sich tragen.

Reisevorbereitung und Reiseapotheke

Eine gut zusammengestellte Reiseapotheke und konsequente Präventionsmassnahmen reduzieren die Erkrankungsrate deutlich.

Das Österreichische Tropeninstitut und die AGES geben regelmässig aktualisierte Empfehlungen für verschiedene Reiseziele heraus.

Reiseapotheke-Grundausstattung für tropische Reiseziele umfasst neben verschreibungspflichtigen Medikamenten auch frei verkäufliche Produkte: Sonnenschutz mit LSF 50, Insektenschutzmittel mit mindestens 20 Prozent DEET oder Icaridin, Elektrolytlösung für Durchfall-Rehydratation, Desinfektionsmittel und Verbandmaterial.

Mückenschutz ist die wichtigste Einzelmassnahme zur Malariaprophylaxe neben der medikamentösen Prophylaxe. DEET in Konzentrationen von 20–50 Prozent bietet 6–8 Stunden Schutz.

Imprägnierte Moskitonetze und langärmlige Kleidung in der Abenddämmerung ergänzen den chemischen Schutz.

Die AGES betont, dass Expositionsprophylaxe und Chemoprophylaxe zusammen den besten Schutz bieten.

Nahrungsmittel- und Wasserhygiene reduziert das Durchfallrisiko erheblich. Die Grundregel lautet: Kochen, Schälen oder Meiden.

Nur abgekochtes, desinfiziertes oder in Flaschen abgefülltes Wasser verwenden, einschliesslich zum Zähneputzen. Rohe Salate, ungeschältes Obst und Eiswürfel in Risikogebieten konsequent meiden.

Weitere evidenzbasierte Empfehlungen:

  • Thromboseprophylaxe bei Langstreckenflügen über 8 Stunden durch Bewegung, Kompressionsstrümpfe und ausreichende Flüssigkeit
  • Jetlag-Management durch Lichtexposition am Zielort und gegebenenfalls Melatonin
  • Reiserücktrittsimpfung bei Fernreisen mit exotischen Infektionsrisiken wie Tollwut
  • Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport ist für jeden Fernreisenden dringend empfohlen
  • Medikamente im Handgepäck transportieren mit ärztlicher Bescheinigung für verschreibungspflichtige Arzneimittel

Die Ärztekammer empfiehlt Reisenden mit chronischen Erkrankungen, einen aktuellen Arztbrief in englischer Sprache mitzuführen und sich über die medizinische Versorgungslage am Reiseziel zu informieren.

Frequently Asked Questions

Wann muss ich mit der Malariaprophylaxe beginnen?
Atovaquon/Proguanil wird 1–2 Tage vor Einreise begonnen. Doxycyclin ebenfalls 1–2 Tage vorher. Mefloquin erfordert einen Start 2–3 Wochen vor Abreise zur Verträglichkeitsprüfung. Die Beratung sollte mindestens 4 Wochen vor der Reise erfolgen, um rechtzeitig Impfungen zu organisieren.
Wann soll ich mein Standby-Antibiotikum nehmen?
Bei schwerer Reisediarrhoe mit mehr als drei wässrigen Stühlen in 24 Stunden, Fieber über 38,5 Grad Celsius oder blutigem Stuhl. Bei milder Diarrhoe genügen Flüssigkeitsersatz und gegebenenfalls Loperamid. Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn sich die Symptome nicht innerhalb von 48 Stunden bessern.
Vertrage ich Malarone bei empfindlichem Magen?
Atovaquon/Proguanil ist insgesamt gut verträglich. Einnahme mit einer fettreichen Mahlzeit verbessert die Aufnahme und reduziert Magenprobleme. Leichte Übelkeit tritt bei 5–10 Prozent auf und bessert sich meist nach einigen Tagen. Bei anhaltenden Beschwerden ist Doxycyclin eine Alternative.
Brauche ich Malariaprophylaxe für Thailand oder Bali?
In Touristenzentren von Thailand und Bali ist das Malariarisiko sehr gering und eine medikamentöse Prophylaxe meist nicht erforderlich. Bei Aufenthalten in ländlichen Grenzregionen oder im Dschungel kann jedoch eine Prophylaxe sinnvoll sein. Die individuelle Risikobeurteilung richtet sich nach dem genauen Reiseziel.
Hilft Acetazolamid wirklich gegen Höhenkrankheit?
Ja, Acetazolamid reduziert die Inzidenz der akuten Höhenkrankheit um 50–70 Prozent und beschleunigt die Akklimatisation. Es ersetzt jedoch nicht den langsamen Aufstieg als wichtigste Präventionsmassnahme. Nebenwirkungen wie Kribbeln in den Fingern und vermehrtes Wasserlassen sind häufig, aber harmlos.
Medizinisch geprüft

Dr. Ross Elledge

Facharzt für Chirurgie · Mund-, Kiefer- & Gesichtschirurgie

Verifizierter Gesundheitsexperte

Die medizinischen Informationen auf dieser Website wurden von Dr. Ross Elledge (approbierter Arzt) geprüft und dienen ausschließlich Bildungszwecken. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch mit Ihrem Arzt oder Facharzt. Befolgen Sie stets die Anweisungen Ihres verschreibenden Arztes und lesen Sie die Packungsbeilage Ihres Medikaments.