Nebenwirkungen der Abnehmspritze: was Sie vor der Behandlung wissen sollten
Zusammenfassung
Die Abnehmspritze mit Semaglutid (Wegovy) kann Nebenwirkungen wie Uebelkeit, Durchfall und Verstopfung verursachen. Schwerwiegende Risiken wie Pankreatitis sind selten. Dieser Artikel gibt einen vollstaendigen Ueberblick ueber alle bekannten Nebenwirkungen.
Was ist die Abnehmspritze und wie wirkt sie?
Als Abnehmspritze werden Medikamente mit dem Wirkstoff Semaglutid bezeichnet, die zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden.
In Oesterreich ist Wegovy das zugelassene Praeparat zur Behandlung von Adipositas. Der Wirkstoff gehoert zur Klasse der GLP-1-Rezeptoragonisten.
Semaglutid ahmt das koerpereigene Hormon GLP-1 nach, das normalerweise nach dem Essen freigesetzt wird.
Es wirkt auf mehreren Ebenen: Es verlangsamt die Magenentleerung, reduziert das Hungergefuehl im Gehirn und foerdert das Saettigungsgefuehl.
Diese Wirkungen fuehren dazu, dass Patienten weniger essen und dadurch an Gewicht verlieren.
Die Abnehmspritze wird einmal woechentlich subkutan (unter die Haut) injiziert.
Die Dosierung wird schrittweise ueber mehrere Monate gesteigert, um die Vertraeglichkeit zu verbessern und Nebenwirkungen zu minimieren.
In klinischen Studien zeigte Wegovy einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von etwa 15 % des Ausgangsgewichts.
Die Behandlung ist jedoch nur in Kombination mit Ernaehrungsumstellung und koerperlicher Aktivitaet zugelassen und erfordert eine aerztliche Verschreibung.
Haeufige Nebenwirkungen der Abnehmspritze
Die haeufigsten Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt. Sie treten vor allem in den ersten Wochen auf und bei jeder Dosissteigerung.
Magen-Darm-Beschwerden:
- Uebelkeit: die am haeufigsten berichtete Nebenwirkung, betrifft bis zu 44 % der Anwender. Sie ist in der Regel leicht bis maessig und bessert sich mit der Zeit
- Durchfall: tritt bei etwa 30 % der Patienten auf, meist voruebergehend
- Verstopfung: eine haeufige Begleiterscheinung, die mit erhoehter Ballaststoff- und Fluessigkeitszufuhr gemildert werden kann
- Erbrechen: kommt vor allem in der Aufdosierungsphase vor
- Bauchschmerzen und Blaehungen: koennen zu Beginn der Behandlung auftreten
Weitere haeufige Beschwerden:
- Kopfschmerzen: treten bei manchen Patienten in den ersten Wochen auf
- Muedigkeit: eine haeufig berichtete Nebenwirkung, die mit der reduzierten Kalorienzufuhr zusammenhaengen kann
- Schwindel: kann vereinzelt auftreten, insbesondere bei Blutzuckerschwankungen
- Reaktionen an der Injektionsstelle: Roetung, Schwellung oder leichte Schmerzen
Diese Beschwerden sind in den meisten Faellen voruebergehend und bessern sich im Verlauf der Behandlung.
Seltene und schwerwiegende Nebenwirkungen
Schwerwiegende Nebenwirkungen der Abnehmspritze sind selten, sollten aber jedem Anwender bekannt sein.
Pankreatitis (Bauchspeicheldruesenentzuendung):
Eine akute Pankreatitis ist eine seltene, aber ernste Komplikation. Symptome sind starke, anhaltende Schmerzen im Oberbauch, die in den Ruecken ausstrahlen, begleitet von Uebelkeit und Erbrechen.
Bei Verdacht muss die Behandlung sofort abgebrochen und aerztliche Hilfe gesucht werden.
Gallensteine und Gallenblasenerkrankungen:
Schneller Gewichtsverlust ist ein bekannter Risikofaktor fuer Gallensteine. Bei ploetzlichen starken Schmerzen im rechten Oberbauch sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.
Schilddruesentumore:
In Tierstudien wurde ein erhoehtes Risiko fuer Schilddruesentumore beobachtet. Ob dies auch fuer Menschen relevant ist, ist nicht abschliessend geklaert.
Patienten mit einer Vorgeschichte von medullaerem Schilddruesenkarzinom oder multiplem endokrinem Neoplasie-Syndrom Typ 2 duerfen die Abnehmspritze nicht verwenden.
Nierenfunktionsstoerungen:
Starkes Erbrechen oder Durchfall kann zu Dehydratation fuehren, die die Nierenfunktion beeintraechtigen kann. Eine ausreichende Fluessigkeitszufuhr ist daher besonders wichtig.
Schwere allergische Reaktionen:
Anaphylaxie ist aeusserst selten, aber moeglich. Bei Atemnot, Schwellung im Gesicht oder starkem Blutdruckabfall rufen Sie sofort den Notruf 144.
Praktische Tipps zur Minimierung von Nebenwirkungen
Mit den richtigen Massnahmen lassen sich die meisten Nebenwirkungen der Abnehmspritze gut handhaben.
Ernaehrungsanpassungen:
- Essen Sie kleinere Mahlzeiten, verteilt ueber den Tag, statt weniger grosse Portionen
- Vermeiden Sie fettreiche, stark gewuerzte und gebratene Speisen, besonders in den ersten Wochen
- Kauen Sie gruendlich und essen Sie langsam
- Meiden Sie kohlensaeurehaltige Getraenke, wenn Sie unter Blaehungen leiden
Bei Uebelkeit:
- Halten Sie leicht verdauliche Snacks wie Zwieback oder trockene Cracker bereit
- Ingwertee kann bei leichter Uebelkeit helfen
- Legen Sie sich nicht unmittelbar nach dem Essen hin
Bei Verstopfung:
- Erhoehen Sie die Ballaststoffzufuhr langsam mit Gemuese, Obst und Vollkornprodukten
- Trinken Sie mindestens 2 Liter Wasser taeglich
- Regelmaessige Bewegung foerdert die Darmtaetigkeit
Allgemeine Empfehlungen:
- Halten Sie sich strikt an das vorgegebene Dosissteigerungsschema
- Fuehren Sie ein Tagebuch ueber Ihre Symptome, um Muster zu erkennen und diese mit Ihrem Arzt besprechen zu koennen
- Wechseln Sie die Injektionsstelle regelmaessig, um lokale Reaktionen zu verringern
Wann Sie aerztliche Hilfe suchen sollten
Die meisten Nebenwirkungen sind voruebergehend und kein Grund zur Sorge. Es gibt jedoch klare Warnsignale, bei denen Sie unverzueglich handeln muessen.
Sofort den Arzt kontaktieren bei:
- Starken, anhaltenden Bauchschmerzen, die nicht nachlassen (Verdacht auf Pankreatitis)
- Anhaltendem starkem Erbrechen, das zu Fluessigkeitsmangel fuehrt
- Gelbfaerbung von Haut oder Augen (Verdacht auf Leber- oder Gallenprobleme)
- Anzeichen einer allergischen Reaktion wie Schwellung im Gesicht, Atemnot oder Hautausschlag
- Ploetzlichen Sehstoerungen, besonders bei Patienten mit Diabetes
Notruf 144 waehlen bei:
- Schwerer Atemnot oder anaphylaktischer Reaktion
- Starkem Blutdruckabfall mit Bewusstlosigkeit
- Unkontrollierbarem Erbrechen mit Anzeichen schwerer Dehydratation
Sie koennen auch jederzeit die Gesundheitshotline 1450 anrufen, wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Symptome eine Notfallbehandlung erfordern.
Ihr behandelnder Arzt kann die Dosis anpassen oder das Medikament gegebenenfalls absetzen.
Das BASG empfiehlt, vermutete Nebenwirkungen ueber das offizielle Meldeportal zu berichten, damit die Sicherheitsueberwachung des Medikaments laufend aktualisiert werden kann.
FAQ
Welche Nebenwirkungen hat die Abnehmspritze am haeufigsten?
Die haeufigsten Nebenwirkungen sind Uebelkeit, Durchfall, Verstopfung und Erbrechen.
Diese betreffen den Magen-Darm-Trakt und treten besonders in den ersten Behandlungswochen und bei Dosissteigerungen auf.
Wie lange halten die Nebenwirkungen der Abnehmspritze an?
Die meisten Beschwerden sind in den ersten 4 bis 8 Wochen am staerksten und lassen dann allmaehlich nach. Wenn die Nebenwirkungen laenger bestehen, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.
Ist die Abnehmspritze gefaehrlich?
Schwere Nebenwirkungen wie Pankreatitis oder Gallensteine sind selten.
Fuer die meisten Patienten ist die Abnehmspritze sicher, sofern sie unter aerztlicher Aufsicht und gemaess Dosierungsschema angewendet wird.
Kann die Abnehmspritze den Magen schaedigen?
Semaglutid verlangsamt die Magenentleerung, was zu Beschwerden fuehren kann. Dauerhafte Schaeden am Magen sind nicht bekannt.
Bei anhaltenden starken Magenproblemen sollte die Dosierung ueberprueft werden.
Muss ich die Abnehmspritze absetzen, wenn ich Nebenwirkungen habe?
Nicht in jedem Fall. Leichte Nebenwirkungen bessern sich oft von selbst. Bei schweren oder anhaltenden Beschwerden sollten Sie Ihren Arzt konsultieren.
Nur bei schwerwiegenden Reaktionen ist ein sofortiger Behandlungsabbruch noetig.
Quellen
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Dr. Ross Elledge
Facharzt für Chirurgie · Mund-, Kiefer- & Gesichtschirurgie
Verifizierter Gesundheitsexperte
