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Nebenwirkungen

Candesartan Nebenwirkungen: was Patienten wissen sollten

|5 Min. Lesezeit|Medizinisch geprüft

Zusammenfassung

Candesartan wird in der Regel gut vertragen. Haeufige Nebenwirkungen sind Schwindel, Kopfschmerzen und Muedigkeit. Wichtig sind regelmaessige Kontrollen von Kaliumspiegel und Nierenwerten. Schwere Nebenwirkungen wie Angiooedem sind sehr selten.

Haeufige Nebenwirkungen von Candesartan

In meiner Praxis zaehlt Candesartan zu den am besten vertraeglichen Blutdruckmedikamenten.

Als Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB, Sartan) hat es ein deutlich besseres Nebenwirkungsprofil als die aelteren ACE-Hemmer, insbesondere fehlt der typische Reizhusten.

Haeufige Nebenwirkungen (bei 1 bis 10 % der Patienten):

  • Schwindel: tritt vor allem zu Behandlungsbeginn auf, bedingt durch den Blutdruckabfall. Besonders aeltere Patienten sind betroffen
  • Kopfschmerzen: meist mild und voruebergehend, bessern sich in den ersten Wochen
  • Muedigkeit und Abgeschlagenheit: ein Effekt, den viele Patienten berichten und der mit dem gesenkten Blutdruck zusammenhaengt
  • Atemwegsinfektionen: in klinischen Studien etwas haeufiger als unter Placebo

Wichtig zu wissen: Viele dieser Beschwerden sind nicht spezifisch fuer Candesartan, sondern treten bei jeder Blutdrucksenkung auf.

Patienten, die zuvor unbehandelt waren und mit hohem Blutdruck gelebt haben, spueren die Normalisierung als Schwindel oder Schwaeche.

In den meisten Faellen gewoehnt sich der Koerper innerhalb von 2 bis 4 Wochen an den neuen Blutdruckbereich.

Laborveraenderungen unter Candesartan

Regelmaessige Blutkontrollen sind unter Candesartan-Therapie unverzichtbar. In meiner Ordination ordne ich Laborkontrollen 2 bis 4 Wochen nach Therapiebeginn und bei jeder Dosisaenderung an.

Hyperkalaemie (erhoehter Kaliumspiegel):

Candesartan hemmt die Aldosteronfreisetzung, was zu einem Anstieg des Kaliumspiegels fuehren kann.

  • Risikofaktoren: gleichzeitige Einnahme von kaliumsparenden Diuretika, Kaliumpraeperaten, ACE-Hemmern oder NSAR
  • Besonders gefaehrdet: Patienten mit eingeschraenkter Nierenfunktion oder Diabetes
  • Symptome: Muskelschwaeche, Herzrhythmusstoerungen, Kribbeln

Nierenwertveraenderungen:

  • Ein leichter Anstieg des Kreatinins (bis 20 %) ist zu erwarten und in der Regel harmlos
  • Bei staerkerem Anstieg muss die Indikation ueberprueft werden
  • Besondere Vorsicht bei Nierenarterienstenose

Empfohlene Laborkontrollen:

  • Kalium und Kreatinin 2 bis 4 Wochen nach Therapiebeginn
  • Danach alle 3 bis 6 Monate
  • Bei Dosisaenderung oder neuen Begleitmedikamenten sofortige Kontrolle

Seltene und schwere Nebenwirkungen

Schwere Nebenwirkungen unter Candesartan sind aeusserst selten, muessen aber jedem Patienten bekannt sein, damit im Ernstfall schnell gehandelt werden kann.

Angiooedem:

Eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktion mit Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen. Die Inzidenz liegt unter 0,1 %.

Patienten, die zuvor ein Angiooedem unter ACE-Hemmern erlitten haben, haben ein erhoehtes Risiko. Bei Schwellung im Halsbereich sofort die Rettung (144) rufen.

Schwere Hypotonie (Blutdruckabfall):

  • Besonders gefaehrdet sind Patienten mit Volumenmangel (z.B. durch Diuretika oder Durchfall)
  • Symptome: Schwindel, Ohnmacht, Benommenheit beim Aufstehen
  • Bei aelteren Patienten besteht Sturzgefahr

Leberfunktionsstoerungen:

  • Sehr selten wurden Faelle von Hepatitis und erhoehten Leberenzymen berichtet
  • Bei Gelbfaerbung der Haut oder dunklem Urin sofort den Arzt aufsuchen

Akutes Nierenversagen:

  • Kann bei Patienten mit vorbestehender Nierenfunktionsstoerung und Volumenmangel auftreten
  • Regelmaessige Nierenwertkontrollen schuetzen davor

Wichtige Wechselwirkungen

Candesartan hat einige klinisch bedeutsame Wechselwirkungen, die ich bei jeder Neuverordnung sorgfaeltig pruefe.

Als Arzt achte ich besonders auf die Kombination mit anderen blutdruckwirksamen Substanzen.

Nicht empfohlene Kombinationen:

  • Candesartan plus ACE-Hemmer plus Aliskiren: Die Dreifachkombination von RAAS-Blockern ist kontraindiziert (erhoehtes Risiko fuer Hyperkalaemie, Nierenversagen und Hypotonie)
  • Candesartan plus ACE-Hemmer bei Diabetes: Duale RAAS-Blockade bei Diabetikern ist kontraindiziert

Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von:

  • NSAR (Ibuprofen, Diclofenac): koennen die blutdrucksenkende Wirkung abschwaechen und die Nierenfunktion verschlechtern
  • Kaliumpraepaerate und kaliumsparende Diuretika: erhoehtes Hyperkalaemierisiko
  • Lithium: Candesartan kann den Lithiumspiegel erhoehen, engmaschige Kontrollen noetig
  • Trimethoprim: zusaetzliches Hyperkalaemierisiko

Unbedenkliche Kombinationen:

  • Thiaziddiuretika (z.B. Hydrochlorothiazid): haeufige und gut vertraegliche Kombination
  • Calciumantagonisten (z.B. Amlodipin): ergaenzende Blutdrucksenkung
  • Betablocker: bei Herzinsuffizienz eine sinnvolle Kombination

Candesartan bei besonderen Patientengruppen

Die Verordnung von Candesartan erfordert bei bestimmten Patientengruppen besondere Aufmerksamkeit. In meiner Praxis passe ich Dosierung und Monitoring entsprechend an.

Aeltere Patienten:

  • Grundsaetzlich gut geeignet, aber Startdosis niedriger waehlen (4 mg)
  • Erhoehte Sturzgefahr durch orthostatische Hypotonie
  • Haeufigere Blutdruck- und Laborkontrollen empfohlen
  • Nierenfunktion und Kalium engmaschig ueberwachen

Patienten mit Nierenfunktionsstoerung:

  • Bei leichter bis maessiger Einschraenkung: keine Dosisanpassung noetig, aber regelmaessige Kontrollen
  • Bei schwerer Einschraenkung (eGFR unter 30): Vorsicht, niedrige Startdosis, enge Ueberwachung
  • Bei Nierenarterienstenose: relative Kontraindikation

Schwangerschaft:

  • Candesartan ist in der Schwangerschaft streng kontraindiziert
  • Es kann zu schweren Schaeden beim ungeborenen Kind fuehren: Nierenschaeden, Oligohydramnion, Skelettfehlbildungen
  • Frauen im gebaerfaehigen Alter muessen zuverlaessig verhueten
  • Bei Kinderwunsch rechtzeitig auf ein sicheres Praeparat umstellen

Leberfunktionsstoerung:

  • Bei leichter Stoerung: Startdosis 2 mg taeglich
  • Bei schwerer Stoerung: keine ausreichenden Daten, Anwendung nicht empfohlen

Nebenwirkungen richtig melden

Die Meldung von Nebenwirkungen ist ein wichtiger Beitrag zur Arzneimittelsicherheit. In Oesterreich koennen sowohl Aerzte als auch Patienten Verdachtsfaelle direkt melden.

Warum Nebenwirkungen melden?

Nach der Zulassung eines Medikaments wird es von wesentlich mehr Patienten angewendet als in den klinischen Studien. Seltene Nebenwirkungen werden erst in dieser Phase entdeckt.

Jede Meldung traegt dazu bei, die Sicherheit von Candesartan und anderen Arzneimitteln zu verbessern.

Meldewege in Oesterreich:

  • BASG (Bundesamt fuer Sicherheit im Gesundheitswesen): Online-Meldeformular auf basg.gv.at
  • Ueber Ihren Arzt oder Apotheker: Diese koennen die Meldung in Ihrem Namen vornehmen
  • Europaeische Datenbank: Ueber das Portal adrreports.eu koennen Sie gemeldete Nebenwirkungen einsehen

Was sollte gemeldet werden?

  • Jede Nebenwirkung, die Sie als neu oder ungewoehnlich empfinden
  • Besonders schwerwiegende oder unerwartete Reaktionen
  • Nebenwirkungen bei besonderen Patientengruppen (Kinder, Schwangere, Aeltere)

Ich ermutige alle meine Patienten, mir jede Auffaelligkeit mitzuteilen. Gemeinsam entscheiden wir, ob eine Meldung an das BASG sinnvoll ist.

FAQ

Welche Nebenwirkungen hat Candesartan am haeufigsten?

Die haeufigsten Nebenwirkungen sind Schwindel, Kopfschmerzen und Muedigkeit. Sie treten vor allem zu Behandlungsbeginn auf und sind durch die Blutdrucksenkung bedingt.

Die meisten Beschwerden bessern sich innerhalb von 2 bis 4 Wochen.

Muss man unter Candesartan die Blutwerte kontrollieren?

Ja, regelmaessige Kontrollen von Kalium und Kreatinin sind wichtig. Die erste Kontrolle sollte 2 bis 4 Wochen nach Therapiebeginn erfolgen, danach alle 3 bis 6 Monate.

Besonders bei Nierenerkrankung sind haeufigere Kontrollen noetig.

Darf man Candesartan mit Ibuprofen zusammen nehmen?

Die Kombination ist moeglich, sollte aber nur kurzfristig und mit Vorsicht erfolgen. NSAR wie Ibuprofen koennen die blutdrucksenkende Wirkung abschwaechen und die Nierenfunktion verschlechtern.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Kann Candesartan in der Schwangerschaft genommen werden?

Nein, Candesartan ist in der Schwangerschaft streng kontraindiziert. Es kann schwere Schaeden beim ungeborenen Kind verursachen.

Frauen mit Kinderwunsch muessen rechtzeitig auf ein sicheres Blutdruckmittel umgestellt werden.

Verursacht Candesartan Husten wie ACE-Hemmer?

Nein, der typische trockene Reizhusten tritt bei Sartanen wie Candesartan nicht auf.

Das ist einer der Hauptgruende, warum Patienten mit ACE-Hemmer-Husten auf ein Sartan wie Candesartan umgestellt werden.

Quellen

  1. BASG. Fachinformation Candesartan, Bundesamt fuer Sicherheit im Gesundheitswesen
  2. Austria-Codex. Candesartan Filmtabletten, Fachinformation
  3. ESC/ESH Guidelines for the Management of Arterial Hypertension 2018

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