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Metformin-Warnhinweise: Was Sie über Nieren, Laktatazidose und Einnahmepausen wissen müssen

|6 Min. Lesezeit|Medizinisch geprüft

Zusammenfassung

Metformin ist ein bewährtes und meist gut verträgliches Diabetesmedikament, hat aber klare Grenzen. Bei einer eGFR unter 30 ist es kontraindiziert, zwischen 30 und 45 wird die Dosis halbiert. Vor Kontrastmitteluntersuchungen, bei Erbrechen, Durchfall oder Fieber und bei hohem Alkoholkonsum sollte Metformin pausiert werden, um die seltene, aber gefährliche Laktatazidose zu vermeiden.

Warum Warnhinweise bei Metformin wichtig sind

Metformin ist in Österreich das am häufigsten verordnete Medikament bei Typ-2-Diabetes und gilt zu Recht als sicher: Es verursacht allein keine Unterzuckerung, ist gewichtsneutral und seit Jahrzehnten erprobt.

Trotzdem enthält die Gebrauchsinformation eine Reihe von Warnhinweisen, die nicht theoretischer Natur sind, sondern im Alltag tatsächlich relevant werden - etwa bei einer Magen-Darm-Infektion, vor einer Computertomographie mit Kontrastmittel oder wenn die Nierenfunktion mit dem Alter nachlässt.

Der Hintergrund fast aller Warnhinweise ist derselbe: Metformin wird unverändert über die Nieren ausgeschieden. Solange die Nieren normal arbeiten, ist das unproblematisch.

Sinkt die Nierenfunktion jedoch deutlich ab oder kommt es zu akutem Flüssigkeitsmangel, kann sich der Wirkstoff im Körper anreichern.

In dieser Situation steigt das Risiko einer Laktatazidose - einer seltenen, aber lebensbedrohlichen Übersäuerung des Blutes.

Die gute Nachricht: Wer die wichtigsten Regeln kennt, kann dieses Risiko weitgehend ausschalten. Dazu gehören:

  • die eigene Nierenfunktion (eGFR) kennen und jährlich kontrollieren lassen
  • Metformin bei akuten Erkrankungen mit Flüssigkeitsverlust pausieren
  • vor Kontrastmitteluntersuchungen und größeren Operationen Bescheid geben
  • übermäßigen Alkoholkonsum vermeiden

Die folgenden Abschnitte erklären jeden dieser Punkte so, wie ihn auch Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt erläutern würde.

Kontraindikationen: Wann Metformin nicht geeignet ist

Die wichtigste Kontraindikation betrifft die Nierenfunktion, gemessen als eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate):

  • eGFR über 60: normale Dosierung möglich, mindestens jährliche Kontrolle
  • eGFR 45-59: Metformin kann weiter eingenommen werden, die Nierenwerte sollten alle drei bis sechs Monate kontrolliert werden
  • eGFR 30-44: die Tageshöchstdosis wird halbiert (meist auf 1000 mg); eine Neueinstellung auf Metformin wird in diesem Bereich nicht mehr empfohlen
  • eGFR unter 30: Metformin ist kontraindiziert und muss abgesetzt werden

Daneben gibt es weitere Situationen, in denen Metformin nicht oder nur mit besonderer Vorsicht eingesetzt wird:

  • akute Zustände, die die Nierenfunktion verschlechtern können: schwere Infektionen, Austrocknung (Dehydratation), Schock
  • schwere Lebererkrankungen, weil die Leber Laktat abbaut
  • dekompensierte Herzinsuffizienz oder schwere Atemwegserkrankungen mit Sauerstoffmangel
  • chronischer übermäßiger Alkoholkonsum

Gerade bei älteren Menschen kann die Nierenfunktion schleichend abnehmen, ohne dass Beschwerden auftreten.

Deshalb gehört zu jeder Metformin-Therapie eine mindestens jährliche Blutabnahme mit Bestimmung der eGFR - bei eingeschränkter Nierenfunktion entsprechend öfter.

Wenn Sie Ihre aktuellen Nierenwerte nicht kennen, fragen Sie bei der nächsten Kontrolle in der Hausarztpraxis gezielt danach.

Laktatazidose: Warnzeichen erkennen und richtig reagieren

Die Laktatazidose ist die gefürchtetste Komplikation einer Metformin-Therapie: eine Übersäuerung des Blutes durch Anhäufung von Milchsäure (Laktat). Sie ist mit weniger als einem Fall pro 10.

000 Behandlungsjahre sehr selten und tritt fast ausschließlich dann auf, wenn Risikofaktoren zusammenkommen - vor allem eine akut verschlechterte Nierenfunktion, schwere Infektionen, Austrocknung oder hoher Alkoholkonsum.

Weil eine Laktatazidose unbehandelt lebensbedrohlich ist, sollten Sie die Warnzeichen kennen:

  • ausgeprägte Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen
  • Muskelschmerzen oder Muskelkrämpfe ohne erkennbare Ursache
  • tiefe, beschleunigte Atmung
  • ungewöhnliche Müdigkeit, Schwäche oder Schläfrigkeit
  • Kältegefühl, niedriger Blutdruck und verlangsamter Herzschlag in schweren Fällen

Diese Symptome sind unspezifisch und können auch harmlosere Ursachen haben.

Treten sie jedoch in einer Risikosituation auf - etwa während eines Magen-Darm-Infekts - , gilt: Metformin sofort absetzen und ärztliche Hilfe suchen, im Zweifel über die Gesundheitsnummer 1450 oder die Rettung (144).

Alkohol verdient einen eigenen Hinweis: Er hemmt den Laktatabbau in der Leber und erhöht zugleich das Risiko für Unterzuckerung und Austrocknung.

Ein Glas Wein zum Essen ist bei stabiler Therapie meist kein Problem, regelmäßiger oder exzessiver Konsum dagegen einer der wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren für eine Laktatazidose.

Kontrastmittel und Operationen: Metformin rechtzeitig pausieren

Vor bestimmten medizinischen Eingriffen muss Metformin vorübergehend pausiert werden - nicht, weil das Medikament selbst gefährlich wäre, sondern weil die Eingriffe die Nierenfunktion kurzfristig beeinträchtigen können.

Jodhaltige Kontrastmittel, wie sie bei Computertomographien (CT) oder Herzkatheteruntersuchungen eingesetzt werden, können in seltenen Fällen eine akute Nierenschädigung auslösen.

  • Bei normaler Nierenfunktion wird Metformin am Tag der Untersuchung abgesetzt.
  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion (eGFR unter 60) wird es häufig bereits 48 Stunden vorher pausiert.
  • Die Einnahme wird frühestens 48 Stunden nach der Untersuchung fortgesetzt - idealerweise erst, nachdem eine Blutabnahme bestätigt hat, dass die Nierenfunktion stabil geblieben ist.

Dasselbe Prinzip gilt für größere Operationen in Vollnarkose: Metformin wird in der Regel am Operationstag pausiert und erst wieder angesetzt, wenn Sie normal essen und trinken und die Nierenwerte unauffällig sind.

Das Anästhesieteam fragt im Vorgespräch routinemäßig danach.

Wichtig ist, dass Sie aktiv informieren: Sagen Sie in der Radiologie, im Krankenhaus und bei jeder neuen Ärztin oder jedem neuen Arzt, dass Sie Metformin einnehmen.

In Österreich hilft dabei die e-Medikation, in der Ihre Verordnungen elektronisch gespeichert sind - verlassen Sie sich aber nicht allein darauf, sondern führen Sie am besten zusätzlich eine aktuelle Medikamentenliste mit.

Krankheitsregeln: Was bei Erbrechen, Durchfall und Fieber gilt

Akute Erkrankungen mit Flüssigkeitsverlust sind im Alltag die häufigste Situation, in der Metformin kurzfristig pausiert werden sollte. Dazu zählen vor allem:

  • Erbrechen oder anhaltender Durchfall, etwa bei einem Magen-Darm-Infekt
  • hohes Fieber, besonders wenn Sie kaum essen und trinken
  • jede Erkrankung, bei der Sie deutlich weniger Flüssigkeit zu sich nehmen als sonst

Der Grund: Bei Austrocknung sinkt die Durchblutung der Nieren, die Nierenfunktion verschlechtert sich vorübergehend, und Metformin kann sich im Körper anreichern.

Genau in dieser Konstellation entstehen die meisten Laktatazidosen.

Die praktischen Regeln - oft als „Sick-Day-Regeln“ bezeichnet - lauten:

  • Pausieren Sie Metformin, sobald Erbrechen, Durchfall oder Fieber mit deutlich reduzierter Trinkmenge auftreten.
  • Trinken Sie ausreichend, in kleinen Schlucken, gegebenenfalls Elektrolytlösungen aus der Apotheke.
  • Messen Sie den Blutzucker häufiger als sonst - eine kurze Pause führt selten zu Entgleisungen.
  • Beginnen Sie wieder mit der Einnahme, wenn Sie 24-48 Stunden normal essen und trinken können.
  • Kontaktieren Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt, wenn die Beschwerden länger als zwei Tage anhalten, oder rufen Sie 1450 an, wenn Sie unsicher sind.

Besprechen Sie diese Regeln am besten einmal in Ruhe in der Ordination, bevor der Ernstfall eintritt - dann müssen Sie im Krankheitsfall nicht improvisieren.

Vitamin-B12-Mangel und empfohlene Kontrollen

Ein Warnhinweis, der bei langjähriger Einnahme relevant wird: Metformin kann die Aufnahme von Vitamin B12 im Darm verringern.

Nach mehreren Jahren Therapie entwickelt ein Teil der Behandelten erniedrigte B12-Spiegel; ein manifester Mangel ist seltener, aber gut behandelbar, wenn er erkannt wird.

Mögliche Anzeichen eines B12-Mangels sind:

  • anhaltende Müdigkeit und Konzentrationsstörungen
  • Blutarmut (Anämie) mit Blässe und Leistungsknick
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Händen und Füßen

Gerade das Kribbeln wird bei Diabetes leicht mit einer diabetischen Nervenschädigung verwechselt - ein Grund mehr, den B12-Spiegel zu kennen.

Empfohlen wird eine Kontrolle des Vitamin-B12-Werts etwa alle zwei bis drei Jahre, bei Beschwerden oder Risikofaktoren (vegetarische oder vegane Ernährung, höheres Alter) auch früher.

Ein nachgewiesener Mangel lässt sich mit Tabletten oder Injektionen ausgleichen; Metformin muss dafür in der Regel nicht abgesetzt werden.

Zur sicheren Langzeittherapie gehören außerdem:

  • mindestens jährliche Kontrolle der Nierenfunktion (eGFR), bei eingeschränkter Funktion öfter
  • regelmäßige HbA1c-Messungen zur Beurteilung der Blutzuckereinstellung
  • ein Blick in die aktuelle Gebrauchsinformation Ihres Präparats - sie liegt jeder Packung bei und ist über das Arzneispezialitätenregister des BASG abrufbar

Bei Fragen zu Warnhinweisen sind Ihre Hausärztin, Ihr Hausarzt oder Ihre Apotheke die erste Anlaufstelle.

FAQ

Wann muss Metformin sofort abgesetzt werden?

Bei Warnzeichen einer Laktatazidose - starke Übelkeit mit Erbrechen, Muskelschmerzen, tiefe schnelle Atmung, ungewöhnliche Schläfrigkeit - sollten Sie Metformin sofort absetzen und ärztliche Hilfe suchen.

Dasselbe gilt, wenn eine Blutabnahme eine eGFR unter 30 ergibt: Dann ist Metformin kontraindiziert.

Warum wird Metformin vor einer Kontrastmittel-Untersuchung pausiert?

Jodhaltige Kontrastmittel können die Nierenfunktion vorübergehend verschlechtern. Da Metformin über die Nieren ausgeschieden wird, könnte es sich dann anreichern und eine Laktatazidose begünstigen.

Üblich ist eine Pause ab dem Untersuchungstag bis mindestens 48 Stunden danach, idealerweise mit Kontrolle der Nierenwerte.

Darf ich mit Metformin Alkohol trinken?

Gelegentlicher, moderater Konsum - etwa ein Glas Wein zum Essen - ist bei stabiler Therapie meist unproblematisch.

Regelmäßiger oder hoher Alkoholkonsum erhöht jedoch das Risiko für Laktatazidose und Unterzuckerung deutlich und gilt als Kontraindikation.

Besprechen Sie Ihren Konsum offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Soll ich Metformin bei einem Magen-Darm-Infekt weiternehmen?

Nein. Bei Erbrechen, Durchfall oder hohem Fieber mit geringer Trinkmenge sollten Sie Metformin pausieren, bis Sie 24-48 Stunden wieder normal essen und trinken.

Der Flüssigkeitsverlust belastet die Nieren, und genau dann steigt das Laktatazidose-Risiko. Halten die Beschwerden an, kontaktieren Sie die Hausarztpraxis oder 1450.

Wie oft müssen die Nierenwerte kontrolliert werden?

Bei normaler Nierenfunktion mindestens einmal jährlich. Liegt die eGFR unter 60, sind Kontrollen alle drei bis sechs Monate üblich.

Zusätzlich sinnvoll ist eine Vitamin-B12-Bestimmung etwa alle zwei bis drei Jahre, da Metformin bei Langzeiteinnahme die Aufnahme von Vitamin B12 verringern kann.

Quellen

  1. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs – Informationen zu Diabetes und Arzneimitteln
  2. Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) – Arzneispezialitätenregister und Gebrauchsinformationen
  3. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) – Produktinformationen zu Metformin

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Dr. Ross Elledge

Facharzt für Chirurgie · Mund-, Kiefer- & Gesichtschirurgie

Verifizierter Gesundheitsexperte