Allergien behandeln – verschreibungspflichtige Therapie online
Allergische Rhinitis betrifft in Österreich rund 20 Prozent der Bevölkerung, und die Zahl steigt durch Klimawandel und verlängerte Pollensaisons stetig. Als verschreibender Arzt erlebe ich, dass viele Patienten mit frei verkäuflichen Mitteln nicht ausreichend kontrolliert sind. Verschreibungspflichtige Antihistaminika der zweiten Generation und nasale Kortikosteroide bieten eine deutlich bessere Symptomkontrolle und verbessern die Lebensqualität spürbar.
Nasale Kortikosteroide gelten laut ARIA-Leitlinien als wirksamste Einzeltherapie bei allergischer Rhinitis
Antihistaminika der zweiten Generation wie Bilastin und Rupatadin wirken ohne sedierende Nebenwirkungen
Die AGES empfiehlt bei mittelschwerer bis schwerer Rhinitis eine Kombinationstherapie aus nasalem Steroid und Antihistaminikum
Allergenspezifische Immuntherapie kann bei geeigneten Patienten die Ursache der Allergie langfristig behandeln
Über Allergie & Heuschnupfen
Klinischer Überblick zu allergischen Erkrankungen
Allergische Erkrankungen sind in Österreich gemäss Daten der AGES und der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie die häufigste chronische Krankheitsgruppe und betreffen mittlerweile jeden vierten Erwachsenen.
Die Prävalenz hat sich in den letzten 30 Jahren nahezu verdoppelt, was auf veränderte Umweltbedingungen, die sogenannte Hygienehypothese und den Klimawandel mit verlängerter Pollenflugsaison zurückgeführt wird.
Allergische Rhinitis ist die häufigste Manifestation und wird in saisonal, perennial und berufsbedingt unterteilt.
Saisonale Rhinitis wird durch Baumpollen (Februar–April), Gräserpollen (Mai–Juli) und Kräuterpollen wie Ragweed (August–September) ausgelöst.
Perenniale Rhinitis durch Hausstaubmilben, Tierhaare und Schimmelpilze verursacht ganzjährige Symptome.
In Österreich ist Ragweed ein zunehmend relevantes Allergen, dessen Pollenkonzentration laut AGES-Pollenmonitoring in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen ist.
Pathophysiologie der allergischen Reaktion: Beim Erstkontakt produziert das Immunsystem allergenspezifisches IgE, das an Mastzellen bindet.
Bei erneutem Kontakt wird eine Degranulation ausgelöst mit Freisetzung von Histamin, Leukotrienen und Prostaglandinen.
Die Frühphase setzt innerhalb von Minuten ein mit Niesen, Rhinorrhoe und Juckreiz. Die Spätphase nach 4–8 Stunden bringt nasale Obstruktion und chronische Entzündung.
Begleiterkrankungen, die häufig mit allergischer Rhinitis auftreten:
- Allergisches Asthma bei 20–40 Prozent der Rhinitis-Patienten
- Allergische Konjunktivitis bei über 50 Prozent
- Atopische Dermatitis im Rahmen der atopischen Trias
- Schlafstörungen durch nächtliche Nasenatmungsbehinderung
- Konzentrationsstörungen und reduzierte Arbeitsleistung, die laut Studien einem milden Schlafentzug entsprechen
Verschreibungspflichtige Behandlungsoptionen
Die Therapie allergischer Erkrankungen folgt in Österreich den internationalen ARIA-Leitlinien und den Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie, die ein stufenweises Vorgehen empfehlen.
Nasale Kortikosteroide sind die wirksamste Einzeltherapie bei allergischer Rhinitis.
Mometasonfuroat und Fluticasonpropionat Nasensprays reduzieren Niesen, Rhinorrhoe, nasale Obstruktion und Juckreiz gleichermassen.
Die Wirkung setzt nach 12–24 Stunden ein, das Maximum wird nach 3–7 Tagen regelmässiger Anwendung erreicht.
Die systemische Bioverfügbarkeit liegt unter 1 Prozent, weshalb Langzeitanwendung bei korrekter Dosierung sicher ist.
Antihistaminika der zweiten Generation bilden die zweite Therapiesäule. Bilastin 20 mg hat keine sedierende Wirkung und wird nicht hepatisch metabolisiert, was Wechselwirkungen minimiert.
Rupatadin 10 mg vereint antihistamine und anti-PAF-Wirkung. Desloratadin 5 mg bietet als aktiver Metabolit von Loratadin eine verbesserte Wirksamkeit mit sehr geringer Sedierung.
Montelukast 10 mg als Leukotrien-Rezeptorantagonist wird bei Patienten mit gleichzeitigem Asthma oder bei unzureichendem Ansprechen auf die Kombination aus Steroid und Antihistaminikum eingesetzt.
Die BASG-Fachinformation weist auf seltene neuropsychiatrische Nebenwirkungen hin, die den Patienten vor Therapiebeginn mitgeteilt werden müssen.
Allergenspezifische Immuntherapie (AIT) ist die einzige kausale Behandlungsoption.
Subkutane oder sublinguale Hyposensibilisierung über drei bis fünf Jahre kann die Symptome langfristig um 30–40 Prozent reduzieren und das Risiko für die Entwicklung von Asthma senken.
Die Ärztekammer empfiehlt AIT bei nachgewiesener IgE-vermittelter Sensibilisierung und unzureichender Symptomkontrolle unter medikamentöser Therapie.
Kombinationstherapie bei mittelschwerer bis schwerer Rhinitis:
- Nasales Steroid plus orales Antihistaminikum als Standardkombination
- Zusätzlich Montelukast bei begleitendem Asthma
- Kurzzeitig abschwellendes Nasenspray (maximal 5–7 Tage) bei akuter Obstruktion
- Bei Therapieresistenz Überweisung zur allergenspezifischen Immuntherapie
Diagnostik und Abklärung bei Allergien
Die strukturierte Allergiediagnostik beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, die saisonale Muster, Auslöser, Schweregrad und Beeinträchtigung der Lebensqualität erfasst.
Gemäss den Leitlinien der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie ist die Unterscheidung zwischen allergischer und nicht-allergischer Rhinitis für die Therapiewahl entscheidend.
Prick-Test als Standardverfahren: Standardisierte Allergenextrakte werden auf die Unterarmhaut aufgetragen und die Haut angeritzt.
Eine Quaddel über 3 mm Durchmesser nach 15–20 Minuten gilt als positiv.
Der Test erfasst die häufigsten Inhalationsallergene wie Baum-, Gräser- und Kräuterpollen, Hausstaubmilben, Tierepithelien und Schimmelpilze.
Antihistaminika müssen mindestens sieben Tage vor dem Test pausiert werden.
Spezifisches IgE im Blut bietet eine Alternative, wenn der Prick-Test nicht durchführbar ist, etwa bei Hauterkrankungen oder unter laufender Antihistaminika-Therapie.
Moderne Multiplex-Tests wie der ALEX-Test können über 200 Allergenkomponenten gleichzeitig messen und erlauben eine molekulare Allergiediagnostik.
Bei der ärztlichen Konsultation über Dr. Presc erfassen wir Symptommuster, Auslöser, saisonale Zusammenhänge und bisherige Therapieversuche.
Ein zugelassener Arzt beurteilt die Symptome und verschreibt bei klarer allergischer Anamnese eine geeignete Therapie.
Bei unklarer Diagnose oder Verdacht auf mehrfache Sensibilisierungen wird die Vorstellung beim Allergologen empfohlen.
Schweregrad-Einstufung nach ARIA-Kriterien:
- Leicht intermittierend: Symptome weniger als 4 Tage pro Woche und weniger als 4 Wochen
- Mittelschwer bis schwer: Symptome an mehr als 4 Tagen pro Woche oder Beeinträchtigung von Schlaf, Arbeit oder Freizeit
- Diese Einstufung bestimmt die Therapieintensität und den Nachsorgerhythmus
Besonderes Augenmerk liegt auf der Erkennung von Begleitasthma, da bis zu 40 Prozent der Rhinitis-Patienten eine bronchiale Hyperreagibilität aufweisen und eine spirometrische Untersuchung erwogen werden sollte.
Allergenkarenz und begleitende Massnahmen
Neben der medikamentösen Therapie bildet die Allergenkarenz eine wesentliche Säule des Allergie-Managements.
Die AGES empfiehlt ein umfassendes Konzept, das Expositionsminimierung mit medikamentöser Behandlung kombiniert.
Pollenallergie-Management erfordert eine saisonale Strategie. Die AGES betreibt ein landesweites Pollenmonitoring mit täglichen Prognosen, die eine gezielte Expositionsvermeidung ermöglichen.
Praktische Massnahmen umfassen das Lüften in pollenarmen Zeiten (städtisch abends, ländlich morgens), das Waschen der Haare vor dem Schlafengehen, das Trocknen von Wäsche nicht im Freien und die Verwendung von Pollenschutzgittern an Fenstern.
Nasenduschen mit isotoner Kochsalzlösung spülen Allergene mechanisch von der Nasenschleimhaut und können die Symptomlast um 20–30 Prozent verringern.
Hausstaubmilben-Karenz bei perennialer Allergie umfasst milbendichte Encasings für Matratze, Kopfkissen und Oberbett als wirksamste Einzelmassnahme.
Die Raumtemperatur sollte unter 20 Grad Celsius gehalten und die Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent gesenkt werden, da Milben bei trockener Luft absterben.
Teppiche und schwere Vorhänge im Schlafzimmer sollten durch glatte Bodenbeläge und waschbare Rollos ersetzt werden.
Weitere evidenzbasierte Empfehlungen:
- Rauchen und Passivrauchexposition verschlechtern die allergische Entzündung und verdoppeln das Risiko für Asthma-Entwicklung
- Regelmässige körperliche Aktivität stärkt das Immunsystem und reduziert die allergische Entzündung
- Stressmanagement ist relevant, da psychischer Stress die Mastzell-Degranulation verstärken kann
- Eine ausgewogene Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch zeigt in Studien einen protektiven Effekt
Die Ärztekammer weist darauf hin, dass Allergien im Kindesalter ernst genommen werden sollten, da ein unbehandelter allergischer Etagenwechsel von der Nase zur Lunge das Asthma-Risiko deutlich erhöht.
Die Zusammenarbeit zwischen Hausarzt, Allergologen und Pneumologen ist bei komplexen Fällen entscheidend.
Frequently Asked Questions
Wie unterscheide ich Allergie von Erkältung?
Kann ich nasale Kortikosteroide langfristig verwenden?
Wann sollte ich über eine Hyposensibilisierung nachdenken?
Sind Antihistaminika in der Schwangerschaft erlaubt?
Was bringt eine Nasendusche bei Allergie?
Dr. Ross Elledge
Facharzt für Chirurgie · Mund-, Kiefer- & Gesichtschirurgie
Verifizierter Gesundheitsexperte
Die medizinischen Informationen auf dieser Website wurden von Dr. Ross Elledge (approbierter Arzt) geprüft und dienen ausschließlich Bildungszwecken. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch mit Ihrem Arzt oder Facharzt. Befolgen Sie stets die Anweisungen Ihres verschreibenden Arztes und lesen Sie die Packungsbeilage Ihres Medikaments.





