Erhöhtes Cholesterin – ärztlich verordnete Therapie
Erhöhte Cholesterinwerte zählen neben Bluthochdruck und Rauchen zu den drei grössten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Als verschreibender Arzt ist mir bewusst, dass viele Patienten erst nach einem kardiovaskulären Ereignis ihre Werte ernst nehmen. Die Ärztekammer und die Österreichische Kardiologische Gesellschaft empfehlen eine frühzeitige Behandlung mit Statinen, die das LDL-Cholesterin um 30–50 Prozent senken können. Prävention rettet Leben.
Statine senken das LDL-Cholesterin um 30–50 Prozent und reduzieren kardiovaskuläre Ereignisse um 25–35 Prozent
Die ESC-Leitlinien empfehlen bei Hochrisikopatienten einen LDL-Zielwert unter 55 mg/dl
Ezetimib als Ergänzung zu Statinen senkt das LDL um weitere 15–20 Prozent bei guter Verträglichkeit
Muskelschmerzen unter Statintherapie betreffen weniger als 5 Prozent und lassen sich durch Präparatwechsel oft beheben
Über Cholesterin
Cholesterin und kardiovaskuläres Risiko
Cholesterin ist ein lebenswichtiger Baustein für Zellmembranen, Hormone und Gallensäuren.
Problematisch wird es, wenn das LDL-Cholesterin (Low Density Lipoprotein) dauerhaft erhöht ist und sich in den Arterienwänden ablagert, was den Prozess der Arteriosklerose vorantreibt.
Laut Daten der AGES und der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft haben rund 50 Prozent der Erwachsenen in Österreich LDL-Werte über dem empfohlenen Bereich.
Lipidprofil und Zielwerte gemäss ESC/EAS-Leitlinien:
- Niedriges Risiko: LDL unter 116 mg/dl
- Moderates Risiko: LDL unter 100 mg/dl
- Hohes Risiko (z.B. Diabetes, schwere Hypertonie): LDL unter 70 mg/dl
- Sehr hohes Risiko (z.B. nach Herzinfarkt, Schlaganfall): LDL unter 55 mg/dl und mindestens 50 Prozent Reduktion
Das Gesamtrisiko wird nicht allein durch den LDL-Wert bestimmt, sondern durch die Kombination aller Risikofaktoren: Alter, Geschlecht, Blutdruck, Raucherstatus, Diabetes und HDL-Cholesterin.
Der SCORE2-Risikokalkulator hilft bei der individuellen Einschätzung.
Ursachen erhöhter Cholesterinwerte:
- Genetische Veranlagung, insbesondere bei familiärer Hypercholesterinämie mit LDL-Werten über 190 mg/dl
- Ernährung reich an gesättigten Fetten und Transfetten
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Sekundäre Ursachen wie Hypothyreose, nephrotisches Syndrom und bestimmte Medikamente
- Diabetes mellitus mit dem typischen Muster aus niedrigem HDL, erhöhten Triglyzeriden und kleinen dichten LDL-Partikeln
Die Ärztekammer betont, dass erhöhtes Cholesterin keine Beschwerden verursacht und daher nur durch Laboruntersuchungen erkannt wird.
Eine Vorsorgeuntersuchung mit Lipidprofil wird für alle Erwachsenen ab 40 Jahren empfohlen.
Medikamentöse Cholesterinsenkung
Die medikamentöse Therapie erhöhter Cholesterinwerte folgt den ESC/EAS-Leitlinien und wird von der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft und der Ärztekammer übernommen.
Statine sind die am besten untersuchte und wirksamste Wirkstoffklasse.
Statine (HMG-CoA-Reduktasehemmer) hemmen die Cholesterinsynthese in der Leber und erhöhen kompensatorisch die LDL-Rezeptordichte. Dadurch wird mehr LDL aus dem Blut aufgenommen.
- Atorvastatin 10–80 mg: 37–55 Prozent LDL-Senkung
- Rosuvastatin 5–40 mg: 38–55 Prozent LDL-Senkung
- Simvastatin 10–40 mg: 27–40 Prozent LDL-Senkung
Die BASG empfiehlt Atorvastatin und Rosuvastatin als bevorzugte Hochpotenzstatine. Die Einnahme erfolgt vorzugsweise abends, da die Cholesterinsynthese nachts am höchsten ist.
Rosuvastatin kann auch morgens eingenommen werden.
Ezetimib hemmt die Cholesterinaufnahme im Darm und senkt das LDL um weitere 15–20 Prozent.
Es wird häufig als Ergänzung zu Statinen eingesetzt, wenn der Zielwert mit einem Statin allein nicht erreicht wird, oder als Monotherapie bei Statin-Unverträglichkeit.
PCSK9-Hemmer (Evolocumab, Alirocumab) als Injektionen alle zwei Wochen erreichen LDL-Senkungen von 50–60 Prozent und sind für Hochrisikopatienten mit nicht erreichtem Zielwert trotz maximaler oraler Therapie reserviert.
Häufige Nebenwirkungen von Statinen:
- Muskelschmerzen (Myalgie) bei 3–5 Prozent der Patienten – oft durch Präparatwechsel oder Dosisanpassung beherrschbar
- Leichte Erhöhung der Leberenzyme, klinisch meist nicht relevant
- Leicht erhöhtes Diabetesrisiko bei prädisponierten Patienten, das jedoch durch den kardiovaskulären Nutzen bei weitem aufgewogen wird
- Selten: Rhabdomyolyse, eine schwere Muskelschädigung, die ärztliche Abklärung erfordert
Diagnostik und Laborüberwachung
Die Diagnostik erhöhter Cholesterinwerte basiert auf einem Lipidprofil aus einer Nüchternblutabnahme.
Die AGES empfiehlt eine erste Bestimmung im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung und regelmässige Kontrollen bei erhöhten Werten oder unter Therapie.
Standardlipidprofil umfasst:
- Gesamtcholesterin als Übersichtswert
- LDL-Cholesterin als primärer Therapieparameter
- HDL-Cholesterin als Schutzfaktor, wobei Werte unter 40 mg/dl bei Männern und unter 48 mg/dl bei Frauen als risikoerhöhend gelten
- Triglyzeride, die nüchtern unter 150 mg/dl liegen sollten
- Non-HDL-Cholesterin als Sekundärparameter, der alle atherogenen Lipoproteine erfasst
Laborkontrollen unter Statintherapie gemäss Ärztekammer-Empfehlung:
- Lipidprofil 4–8 Wochen nach Therapiebeginn oder Dosisänderung, dann alle 6–12 Monate
- Leberenzyme (ALT/GOT) vor Therapiebeginn und einmal nach 8–12 Wochen, danach nur bei klinischem Verdacht
- Kreatinkinase (CK) nur bei Muskelbeschwerden, nicht routinemässig
- Nüchternglukose und HbA1c regelmässig bei Risiko für Diabetes
Bei der Online-Konsultation über Dr. Presc werden aktuelle Laborwerte, kardiovaskuläre Risikofaktoren, bisherige Therapie und Verträglichkeit erfasst.
Der Arzt berechnet das individuelle Risiko und prüft, ob die aktuelle Therapie den Zielwert erreicht.
Besondere Situationen:
- Familiäre Hypercholesterinämie bei LDL über 190 mg/dl oder positiver Familienanamnese für frühzeitige Herzerkrankungen erfordert eine genetische Abklärung und eine besonders aggressive Therapie
- Nach einem kardiovaskulären Ereignis sollte die Statintherapie möglichst rasch begonnen und hochdosiert eingesetzt werden
- Bei Niereninsuffizienz muss die Statindosis angepasst werden, da einige Statine renal eliminiert werden
Ernährung und Lebensstil bei erhöhtem Cholesterin
Lebensstiländerungen können das LDL-Cholesterin um 10–15 Prozent senken und bilden die Basis jeder Cholesterin-Therapie.
Bei niedrigem bis moderatem Risiko empfiehlt die Österreichische Kardiologische Gesellschaft zunächst einen drei- bis sechsmonatigen Versuch mit Ernährungs- und Bewegungsintervention.
Ernährungsempfehlungen:
- Gesättigte Fette auf unter 7 Prozent der Gesamtkalorien reduzieren – weniger Butter, Wurstwaren, fettreiches Fleisch und Vollfettmilchprodukte
- Transfette vollständig meiden – enthalten in teilgehärteten Fetten, manchen Backwaren und frittierten Speisen
- Ungesättigte Fettsäuren bevorzugen: Olivenöl, Rapsöl, Nüsse, Avocado und fetter Fisch (Lachs, Makrele)
- Ballaststoffe auf 25–30 Gramm pro Tag erhöhen, insbesondere lösliche Ballaststoffe aus Hafer, Gerste und Hülsenfrüchten
- Pflanzensterine und -stanole (2 g täglich) senken das LDL um weitere 7–10 Prozent
Körperliche Aktivität erhöht vorwiegend das HDL-Cholesterin und senkt die Triglyzeride. Mindestens 150 Minuten moderate aerobe Aktivität pro Woche sind empfohlen.
Ausdauertraining und Krafttraining wirken synergistisch.
Weitere evidenzbasierte Massnahmen:
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht senkt Triglyzeride und erhöht HDL
- Rauchstopp verbessert das HDL-Cholesterin um 5–10 Prozent innerhalb eines Jahres
- Alkoholreduktion bei erhöhten Triglyzeriden, da Alkohol die Triglyzeridproduktion in der Leber steigert
- Stressmanagement, da chronischer Stress über Cortisol den Cholesterinspiegel beeinflusst
- Mittelmeerdiät als Gesamtkonzept hat in der PREDIMED-Studie eine 30-prozentige Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse gezeigt
Wichtig: Bei hohem und sehr hohem Risiko ersetzen Lebensstiländerungen die medikamentöse Therapie nicht, sondern ergänzen sie. Beide Säulen wirken zusammen am effektivsten.
Frequently Asked Questions
Muss ich Statine lebenslang einnehmen?
Stimmt es, dass Statine Muskelschmerzen verursachen?
Wie tief muss mein LDL-Wert sein?
Kann ich Cholesterin nur mit Ernährung senken?
Sind Eier schlecht für den Cholesterinspiegel?
Dr. Ross Elledge
Facharzt für Chirurgie · Mund-, Kiefer- & Gesichtschirurgie
Verifizierter Gesundheitsexperte
Die medizinischen Informationen auf dieser Website wurden von Dr. Ross Elledge (approbierter Arzt) geprüft und dienen ausschließlich Bildungszwecken. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch mit Ihrem Arzt oder Facharzt. Befolgen Sie stets die Anweisungen Ihres verschreibenden Arztes und lesen Sie die Packungsbeilage Ihres Medikaments.



