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Nebenwirkungen

Furosemid Nebenwirkungen: was Sie als Patient beachten muessen

|5 Min. Lesezeit|Medizinisch geprüft

Zusammenfassung

Furosemid ist ein wirksames Schleifendiuretikum, das Nebenwirkungen wie Elektrolytverschiebungen, Schwindel und Muskelkrämpfe verursachen kann. Regelmäßige Blutkontrollen sind unverzichtbar. Bei richtiger Ueberwachung ist Furosemid sicher anwendbar.

Häufige Nebenwirkungen von Furosemid

Furosemid (bekannt unter dem Handelsnamen Lasix) gehört zur Gruppe der Schleifendiuretika und wird zur Behandlung von Oedemen (Wassereinlagerungen) bei Herzinsuffizienz, Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen sowie bei Bluthochdruck eingesetzt.

Es zählt zu den stärksten verfügbaren Diuretika.

Die häufigsten Nebenwirkungen hängen direkt mit dem Wirkmechanismus zusammen: der starken Steigerung der Urinproduktion und dem damit verbundenen Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten.

Sehr häufig (mehr als 1 von 10 Anwendern):

  • Elektrolytverschiebungen: insbesondere Natrium-, Kalium-, Magnesium- und Kalziumverlust
  • Erhöhte Blutfettwerte: Cholesterin- und Triglyceridwerte können ansteigen
  • Erhöhte Harnsäurewerte: kann bei Veranlagung einen Gichtanfall auslösen

Häufig (1 bis 10 von 100 Anwendern):

  • Schwindel und Benommenheit: durch den Blutdruckabfall und Flüssigkeitsverlust
  • Muskelkrämpfe: insbesondere in den Waden, hervorgerufen durch Kaliummangel
  • Verminderte Blutdruckwerte (Hypotonie): besonders beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie)
  • Müdigkeit und Schwäche: durch Elektrolytverschiebungen und Dehydratation
  • Vermehrtes Durstgefühl: als Folge des Flüssigkeitsverlusts

Elektrolytstörungen: die wichtigste Nebenwirkung

Elektrolytstörungen sind die bedeutsamste Nebenwirkung von Furosemid und können bei unzureichender Ueberwachung gefährlich werden.

Kaliummangel (Hypokaliaaemie):

Furosemid steigert die Kaliumausscheidung über den Urin erheblich.

Ein niedriger Kaliumspiegel kann zu Muskelkrämpfen, Muskelschwäche, Müdigkeit, Verstopfung und in schweren Fällen zu Herzrhythmusstörungen führen.

Herzrhythmusstörungen durch Kaliummangel können lebensbedrohlich sein, insbesondere bei Patienten, die gleichzeitig Herzglykoside (Digoxin) einnehmen.

Magnesiummangel (Hypomagnesiaaemie):

Ein Mangel an Magnesium kann Muskelkrämpfe, Zittern, Herzrhythmusstörungen und Müdigkeit verursachen. Magnesiummangel kann auch den Kaliummangel verstärken und schwerer behandelbar machen.

Natriummangel (Hyponatriämie):

Kann zu Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Uebelkeit und in schweren Fällen zu Krampfanfällen führen. Aeltere Patienten sind besonders gefährdet.

Kalziummangel:

Ein vermehrter Kalziumverlust kann langfristig das Risiko für Osteoporose erhöhen.

Gegenmaßnahmen:

  • Regelmäßige Blutkontrollen (mindestens alle 4 bis 8 Wochen zu Beginn)
  • Kaliumreiche Ernährung: Bananen, Kartoffeln, Tomaten, Hülsenfrüchte
  • Bei Bedarf Kalium- und/oder Magnesiumpräparate nach ärztlicher Anordnung
  • Kombinationstherapie mit kaliumsparenden Diuretika in manchen Fällen

Gelegentliche und seltene Nebenwirkungen

Neben den Elektrolytstörungen gibt es weitere Nebenwirkungen, die beachtet werden sollten.

Gelegentlich:

  • Hörstörungen: Furosemid kann in hohen Dosen oder bei schneller intravenooeser Gabe das Hörvermögen beeinträchtigen. Diese Ototoxizität ist in der Regel reversibel, kann aber in seltenen Fällen dauerhaft sein
  • Hautreaktionen: Juckreiz, Hautausschlag und Lichtempfindlichkeit
  • Uebelkeit, Erbrechen und Durchfall: treten bei einigen Patienten auf
  • Gichtanfälle: durch erhöhte Harnsäurewerte
  • Blutzuckeranstieg: Furosemid kann die Glukosetoleranz verschlechtern, was bei Diabetikern zu einer Verschlechterung der Blutzuckerkontrolle führen kann

Selten:

  • Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
  • Blutbildveränderungen (Thrombozytopenie, Leukopenie)
  • Interstitielle Nephritis (Nierenentzündung)
  • Schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse)

Sehr selten:

  • Schwere allergische Reaktionen
  • Vaskulitis (Gefäßentzündung)

Das BASG und der Austria-Codex listen alle zugelassenen Furosemid-Präparate mit ihren vollständigen Fachinformationen auf. Bei ungewöhnlichen Symptomen sollten Sie umgehend Ihren Arzt konsultieren.

Praktische Tipps zur Minimierung von Nebenwirkungen

Mit den folgenden Maßnahmen können Sie die Nebenwirkungen von Furosemid besser handhaben.

Einnahmezeitpunkt:

Nehmen Sie Furosemid vorzugsweise morgens ein. Die harntreibende Wirkung setzt nach 30 bis 60 Minuten ein und hält 4 bis 6 Stunden an.

Eine Einnahme am Abend würde Ihren Schlaf durch häufiges Wasserlassen erheblich stören. Bei zweimal täglicher Einnahme nehmen Sie die zweite Dosis am frühen Nachmittag.

Flüssigkeitszufuhr:

Obwohl Furosemid überschüssige Flüssigkeit entfernt, müssen Sie dennoch ausreichend trinken.

Ihr Arzt wird Ihnen eine individuelle Trinkmenge empfehlen, die von Ihrer Erkrankung und Ihrem Körpergewicht abhängt. Folgen Sie dieser Empfehlung genau.

Ernährung:

  • Essen Sie kaliumreiche Lebensmittel: Bananen, Kartoffeln, Trockenfrüchte, Tomaten, Spinat und Hülsenfrüchte
  • Achten Sie auf ausreichende Magnesiumzufuhr: Nüsse, Vollkornprodukte, grünes Blattgemüse
  • Vermeiden Sie uebermassigen Lakritzkonsum, da Lakritze den Kaliumverlust verstärken kann

Körpergewicht:

Wiegen Sie sich täglich morgens nach dem Toilettengang.

Plötzliche Gewichtsschwankungen (mehr als 1 kg pro Tag) können auf Flüssigkeitsretention oder uebermassigen Flüssigkeitsverlust hinweisen und sollten Ihrem Arzt mitgeteilt werden.

Vorsicht beim Aufstehen:

Stehen Sie langsam auf, um Schwindelgefühle durch den Blutdruckabfall zu vermeiden.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe suchen sollten

Furosemid erfordert eine sorgfältige ärztliche Ueberwachung. In folgenden Situationen müssen Sie umgehend handeln.

Kontaktieren Sie Ihren Arzt umgehend bei:

  • Starken Muskelkrämpfen oder Muskelschwäche: möglicher Hinweis auf schweren Kaliummangel
  • Herzrasen oder Herzstolpern: kann durch Elektrolytverschiebungen verursacht werden und erfordert sofortige Abklärung
  • Schwerem Schwindel oder Ohnmacht: Hinweis auf starken Blutdruckabfall oder Dehydratation
  • Stark verminderter oder fehlender Urinproduktion: kann auf Nierenfunktionsstörungen hindeuten
  • Hörstörungen oder Ohrgeräusche (Tinnitus): können auf Ototoxizität hinweisen
  • Gelbfärbung von Haut oder Augen: erfordert Abklärung der Leberfunktion

Sofort den Notruf 144 wählen bei:

  • Schwerer Atemnot
  • Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
  • Starken Brustschmerzen oder Herzrhythmusstörungen
  • Krampfanfällen

Setzen Sie Furosemid nicht eigenmaechttig ab, da dies zu einer raschen Verschlechterung bei Herzinsuffizienz führen kann. Besprechen Sie Dosisänderungen immer mit Ihrem Arzt.

Regelmäßige Arztbesuche mit Blutkontrollen (Elektrolyte, Nierenwerte, Blutzucker) sind bei der Furosemid-Therapie unverzichtbar.

Das BASG empfiehlt, vermutete Nebenwirkungen über das offizielle Meldeportal zu berichten.

FAQ

Welche Nebenwirkungen hat Furosemid am häufigsten?

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Elektrolytverschiebungen (besonders Kaliummangel), Schwindel, Muskelkrämpfe und Müdigkeit.

Diese hängen mit der starken harntreibenden Wirkung des Medikaments zusammen.

Wann sollte ich Furosemid einnehmen?

Nehmen Sie Furosemid vorzugsweise morgens ein, damit die harntreibende Wirkung tagsueberr stattfindet und Ihr Schlaf nicht gestört wird.

Bei zweimal täglicher Einnahme nehmen Sie die zweite Dosis am frühen Nachmittag.

Muss ich bei Furosemid Kalium einnehmen?

Viele Patienten benötigen zusätzliches Kalium, da Furosemid den Kaliumspiegel senkt. Ob Kaliumpräparate nötig sind, entscheidet Ihr Arzt anhand Ihrer Blutwerte.

Eine kaliumreiche Ernährung ist in jedem Fall empfehlenswert.

Kann Furosemid das Hörvermögen beeinträchtigen?

Ja, in hohen Dosen oder bei schneller intravenooeser Gabe kann Furosemid das Hörvermögen beeinträchtigen (Ototoxizität). Bei üblichen oralen Dosen ist dieses Risiko gering.

Melden Sie Hörveränderungen sofort Ihrem Arzt.

Darf ich Furosemid in der Schwangerschaft nehmen?

Furosemid sollte in der Schwangerschaft nur bei zwingender medizinischer Notwendigkeit eingesetzt werden, da es die Plazentaschranke überwindet.

Die Entscheidung trifft der behandelnde Arzt unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung.

Quellen

  1. BASG. Arzneispezialitaetenregister: Furosemid (Lasix)
  2. Austria-Codex. Fachinformation Furosemid

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Dr. Ross Elledge

Facharzt für Chirurgie · Mund-, Kiefer- & Gesichtschirurgie

Verifizierter Gesundheitsexperte