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Rezeptpflichtige Behandlung bei Übergewicht von zugelassenen Ärzten

Adipositas ist eine chronische Erkrankung, keine Frage mangelnder Disziplin. Als verschreibender Arzt betreue ich Patienten, die sämtliche Diäten ohne dauerhaften Erfolg versucht haben, weil die Biologie eine langfristige Kalorienrestriktion erschwert. GLP-1-Rezeptoragonisten und weitere evidenzbasierte Medikamente ermöglichen nun eine klinisch relevante Abnahme von 10–15 Prozent in Verbindung mit Verhaltensunterstützung. Eine Therapie kommt ab BMI 30 oder BMI 27 bei Begleiterkrankung in Betracht.

Semaglutid (Wegovy) erzielt laut STEP-1-Studie durchschnittlich 14,9 Prozent Gewichtsverlust über 68 Wochen

GLP-1-Agonisten dämpfen den Appetit durch Nachahmung von Sättigungshormonen und verlangsamen die Magenentleerung um 30–40 Prozent

Die AGES empfiehlt eine medikamentöse Behandlung ab BMI 30 oder ab 27 mit gewichtsbedingten Begleiterkrankungen

Orlistat blockiert rund 30 Prozent der Fettaufnahme im Darm und erfordert eine fettreduzierte Ernährung

Über Gewichtsabnahme

Medizinischer Hintergrund zu Übergewicht und Adipositas

Adipositas wird von der WHO und der Österreichischen Adipositas Gesellschaft als chronische, rezidivierende Erkrankung anerkannt, die durch neurohormonelle Dysregulation verursacht wird und nicht allein durch übermässige Kalorienzufuhr entsteht.

In Österreich gelten laut Statistik Austria rund 51 Prozent der Erwachsenen als übergewichtig oder adipös, mit erheblicher Belastung für das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und den Bewegungsapparat.

Bei steigendem Körpergewicht stellt der Hypothalamus seinen Gewichtssollwert um und verteidigt diesen aktiv.

Leptinresistenz entwickelt sich, Ghrelin steigt bei Kalorienrestriktion und die adaptive Thermogenese senkt den Grundumsatz um 10–15 Prozent.

Dies erklärt, warum 80 Prozent aller Personen, die durch Diäten abnehmen, das Gewicht innerhalb von fünf Jahren wieder zunehmen – der Körper kämpft aktiv um die Wiederherstellung seiner früheren Masse.

Klinische Folgen unbehandelter Adipositas sind umfangreich:

  • Das Risiko für Typ-2-Diabetes steigt bei BMI ab 35 um das Siebenfache
  • Die Häufigkeit von Bluthochdruck verdoppelt sich gegenüber Normalgewichtigen
  • Obstruktive Schlafapnoe tritt bei 40 Prozent der Personen mit BMI über 35 auf
  • Kniearthrose entwickelt sich vier- bis fünfmal häufiger
  • Bestimmte Krebsarten wie Endometrium- und Kolorektalkarzinome zeigen dosisabhängige Risikoerhöhungen

Bereits eine Gewichtsreduktion von 5–10 Prozent führt zu messbaren Verbesserungen: Der systolische Blutdruck sinkt um 5–8 mmHg, der HbA1c fällt bei Diabetikern um 5–10 mmol/mol und die Triglyzeride verringern sich um 15–20 Prozent.

Diese Vorteile bilden die Grundlage für die Empfehlung der AGES, dass eine medikamentöse Therapie erwogen werden soll, wenn eine Lebensstilintervention allein nach drei bis sechs Monaten keine ausreichenden Ergebnisse erbracht hat.

Verfügbare rezeptpflichtige Behandlungen

In der österreichischen klinischen Praxis werden drei Hauptgruppen von Abnehmmitteln verschrieben, jede mit einem eigenständigen Wirkmechanismus.

GLP-1-Rezeptoragonisten stellen den bedeutendsten Fortschritt in der medikamentösen Adipositastherapie dar.

Semaglutid (Wegovy) wird als subkutane Injektion einmal wöchentlich verabreicht und über 16–20 Wochen von 0,25 mg auf die Erhaltungsdosis von 2,4 mg titriert.

Die STEP-1-Studie zeigte einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 14,9 Prozent gegenüber 2,4 Prozent mit Placebo nach 68 Wochen.

Liraglutid (Saxenda) erfordert eine tägliche Injektion bei 3,0 mg und bewirkt eine Abnahme von rund 8 Prozent.

Beide Wirkstoffe aktivieren GLP-1-Rezeptoren im Gehirn, die Appetit und Sättigung steuern, und verlangsamen die Magenentleerung.

Orlistat (Xenical, 120 mg dreimal täglich zur Mahlzeit) hemmt die Pankreaslipase im Darm und verhindert die Aufnahme von rund einem Drittel des aufgenommenen Nahrungsfetts.

Der durchschnittliche Gewichtsverlust beträgt 5–7 Prozent über 12 Monate. Das nicht absorbierte Fett verursacht gastrointestinale Nebenwirkungen wie fettigen Stuhl und Blähungen.

Naltrexon/Bupropion (Mysimba) kombiniert einen Opioidantagonisten mit einem Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer und richtet sich gegen das hypothalamische Appetitzentrum sowie das mesolimbische Belohnungssystem.

Der zu erwartende Gewichtsverlust beträgt 5–8 Prozent nach einem Jahr.

Gemäss den Empfehlungen der AGES und der BASG-Fachinformation gelten folgende Indikationskriterien:

  • BMI ab 30
  • BMI ab 27 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Dyslipidämie
  • Dokumentiertes Engagement bei Ernährungs- und Bewegungsumstellung als Grundlage

Abklärung und klinische Beurteilung

Die Abklärung von Übergewicht beginnt mit einer umfassenden Erhebung des Gesundheitsstatus.

Gemäss den Leitlinien der Österreichischen Adipositas Gesellschaft sollte neben dem BMI auch der Bauchumfang erhoben werden, da viszerales Fett das metabolische Risiko stärker beeinflusst als das Gesamtgewicht.

Bei Männern gilt ein Bauchumfang über 102 cm, bei Frauen über 88 cm als erhöhtes Risiko.

Laboruntersuchungen im Rahmen der Standardabklärung:

  • Nüchternglukose und HbA1c zum Ausschluss von Diabetes oder Prädiabetes
  • Lipidprofil mit Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyzeriden
  • Leberwerte zur Erkennung einer Fettleber
  • Schilddrüsenfunktion (TSH) zum Ausschluss einer Hypothyreose
  • Nierenfunktion und Harnsäure als Basis vor medikamentöser Therapie

Die ärztliche Konsultation bei Dr. Presc umfasst einen validierten Fragebogen zu Gewichtsverlauf, Ernährungsgewohnheiten, körperlicher Aktivität, Begleiterkrankungen und bisherigen Abnehmversuchen.

Ein zugelassener Arzt beurteilt jeden Fall individuell und prüft, ob die Indikation für eine medikamentöse Unterstützung gegeben ist.

Besondere Beachtung finden Kontraindikationen: GLP-1-Agonisten dürfen bei persönlicher oder familiärer Vorgeschichte von medullärem Schilddrüsenkarzinom oder MEN-2-Syndrom nicht eingesetzt werden.

Orlistat ist bei Malabsorptionssyndromen und Cholestase kontraindiziert.

Naltrexon/Bupropion darf nicht bei unkontrolliertem Bluthochdruck, Krampfanfällen in der Vorgeschichte oder gleichzeitiger Opioidtherapie verschrieben werden.

Die Verschreibung erfolgt stets mit einem klaren Behandlungsplan, der regelmässige Gewichtskontrollen und bei Bedarf Dosisanpassungen vorsieht.

Wenn nach 12 Wochen mit der Zieldosis keine Gewichtsabnahme von mindestens 5 Prozent erreicht wird, ist ein Therapiewechsel zu erwägen.

Ernährung und Bewegung als Behandlungssäulen

Nachhaltige Gewichtsabnahme basiert auf dauerhaften Veränderungen im Alltag, nicht auf kurzfristigen Crashdiäten.

Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine proteinreiche Kost, die länger sättigt und die Muskelmasse schützt, ergänzt durch reichlich Gemüse, Obst und Vollkornprodukte für Ballaststoffe und Mikronährstoffe.

Stark verarbeitete Lebensmittel, zugesetzte Zucker und Süssgetränke sollten konsequent reduziert werden.

Körperliche Aktivität ist ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Adipositastherapie.

Die ÖGK empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate aerobe Aktivität pro Woche, etwa zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen.

Ergänzendes Krafttraining zwei- bis dreimal wöchentlich erhält die Muskelmasse und unterstützt den Grundumsatz, was gerade bei medikamentös unterstützter Abnahme wesentlich ist.

Ein realistisches Abnahmeziel liegt bei 0,5 bis 1 Kilogramm pro Woche. Schnellere Gewichtsabnahmen führen häufig zu Muskelabbau und begünstigen den bekannten Jo-Jo-Effekt.

Die Kombination aus kalorienreduzierter Ernährung und regelmässiger Bewegung wirkt synergistisch mit GLP-1-Agonisten, da diese den Appetit dämpfen und das Einhalten eines Kaloriendefizits erheblich erleichtern.

Weitere evidenzbasierte Empfehlungen:

  • Mahlzeiten regelmässig und bewusst einnehmen, um Heisshungerattacken zu vermeiden
  • Ausreichend Flüssigkeit, vor allem Wasser und ungesüssten Tee, über den Tag verteilt trinken
  • Mehr Alltagsbewegung einbauen – Treppen steigen, kurze Wege zu Fuss gehen
  • 7–9 Stunden Schlaf pro Nacht einhalten, da Schlafmangel die Hungerhormone ungünstig beeinflusst
  • Bei Bedarf verhaltenstherapeutische Unterstützung nutzen, besonders bei emotionalem Essen

Frequently Asked Questions

Wie viel kann ich mit Semaglutid abnehmen?
In der STEP-1-Studie lag der mittlere Gewichtsverlust bei 14,9 Prozent über 68 Wochen. Individuelle Ergebnisse hängen von Ausgangsgewicht, Ernährungsumstellung und Bewegung ab. Bereits 5–10 Prozent Abnahme verbessern Stoffwechselwerte und Blutdruck deutlich.
Welche Nebenwirkungen haben GLP-1-Agonisten?
Übelkeit, Erbrechen und Durchfall treten vor allem in der Titrationsphase auf und klingen meist nach einigen Wochen ab. Langsames Hochdosieren reduziert diese Beschwerden. Selten können Gallensteinbeschwerden oder Pankreatitis auftreten, weshalb regelmässige ärztliche Kontrolle wichtig ist.
Wird Wegovy von der ÖGK erstattet?
Die Kostenerstattung hängt vom Einzelfall und der jeweiligen Versicherung ab. Derzeit ist die Erstattung für Adipositas-Medikamente in Österreich eingeschränkt. Ihr verschreibender Arzt kann Sie über aktuelle Regelungen und allfällige Antragsoptionen beraten.
Muss ich das Medikament lebenslang nehmen?
Studien zeigen, dass nach Absetzen von GLP-1-Agonisten häufig eine Gewichtszunahme erfolgt. Eine langfristige Therapie kann sinnvoll sein, jedoch sollte der Arzt regelmässig Nutzen und Risiken abwägen. Lebensstiländerungen bilden die Grundlage für dauerhaften Erfolg.
Ab welchem BMI bekomme ich ein Rezept?
Die Indikation besteht ab BMI 30 oder ab BMI 27 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung wie Diabetes, Bluthochdruck oder Dyslipidämie. Zusätzlich müssen bisherige Diät- und Bewegungsmassnahmen dokumentiert sein. Der Arzt beurteilt dies individuell.
Medizinisch geprüft

Dr. Ross Elledge

Facharzt für Chirurgie · Mund-, Kiefer- & Gesichtschirurgie

Verifizierter Gesundheitsexperte

Die medizinischen Informationen auf dieser Website wurden von Dr. Ross Elledge (approbierter Arzt) geprüft und dienen ausschließlich Bildungszwecken. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch mit Ihrem Arzt oder Facharzt. Befolgen Sie stets die Anweisungen Ihres verschreibenden Arztes und lesen Sie die Packungsbeilage Ihres Medikaments.