
Aciclovir
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Medizinische Informationen
Über dieses Medikament
Aciclovir ist ein antivirales Arzneimittel und gehoert zur Gruppe der nukleosidischen Virostatika. Es wird zur Behandlung von Infektionen eingesetzt, die durch Herpes-Viren verursacht werden, insbesondere durch das Herpes-simplex-Virus (HSV Typ 1 und 2) und das Varizella-Zoster-Virus (VZV).
Wirkmechanismus
Aciclovir wird im Koerper zunachst von viruskodierten Enzymen (Thymidinkinase) phosphoryliert und dann in die Virus-DNA eingebaut, wo es die weitere DNA-Synthese des Virus blockiert. Dieser gezielte Mechanismus bedeutet, dass Aciclovir spezifisch gegen Herpesviren wirkt, ohne gesunde koerpereigene Zellen wesentlich zu beeinflussen.
Anwendungsgebiete
Aciclovir wird eingesetzt zur Behandlung von Herpes-simplex-Infektionen (Lippenherpes, Genitalherpes, herpetische Stomatitis), von Herpes zoster (Guertelrose) und Windpocken (Varizellen), insbesondere bei immunsupprimierten Patienten. Es verkuerzt die Dauer der Infektion, lindert die Symptome und kann bei regelmaessiger Einnahme das Rueckfallrisiko reduzieren.
Kuratives versus supprimierendes Prinzip
Aciclovir heilt Herpesinfektionen nicht dauerhaft, da das Virus latent in den Nervenknoten verbleiben kann. Es hilft jedoch, akute Ausbrueche schnell unter Kontrolle zu bringen und kann bei haeufigen Rueckfaellen als Suppressionstherapie dauerhaft eingenommen werden.
Anwendung & Dosierung
Einnahme und regelmaessige Abstande
Nehmen Sie die Tabletten in regelmaessigen Abstaenden ueber den Tag verteilt ein, mit einem vollen Glas Wasser. Bei der fuenfmal taeglichen Dosierung sollten die Einnahmen etwa alle vier Stunden waehrend der Wachzeit erfolgen, ohne naechtliche Einnahme. Aciclovir kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden.
Fruehzeitiger Behandlungsbeginn
Wichtiger Hinweis: Beginnen Sie die Behandlung so frueh wie moeglich nach dem Auftreten der ersten Symptome oder nach Kontakt mit Windpocken (Varizellen). Je fruehzeitiger Aciclovir eingesetzt wird, desto effektiver ist die Behandlung. Bei wiederkehrenden Herpesausbruechen beginnen Sie idealerweise beim ersten Kribbeln oder Brennen, bevor die Blasen auftreten.
Ausreichende Fluessigkeitszufuhr
Trinken Sie waehrend der gesamten Behandlung mit Aciclovir ausreichend Fluessigkeit (mindestens 1,5 bis 2 Liter taeglich), um die Nieren zu entlasten und das Risiko einer Nierenkristallbildung zu verringern. Dies ist besonders bei hoeheren Dosen wichtig.
Die Dosierung von Aciclovir haengt von der Art der Infektion und dem Immunstatus des Patienten ab. Bei Herpes-simplex-Infektionen der Haut und Schleimhaeute betraegt die Standarddosis 200 mg fuenfmal taeglich fuer 5 Tage (bei Erstinfektionen bis zu 10 Tage). Fuer die Suppressionstherapie bei haeufigen Rueckfaellen werden 400 mg zweimal taeglich oder 200 mg viermal taeglich eingesetzt.
Bei Herpes zoster (Guertelrose) betraegt die empfohlene Dosis 800 mg fuenfmal taeglich fuer 7 Tage. Fuer die Behandlung von Windpocken bei immungeschwachten Patienten kann die Dosis auf 10 mg/kg alle 8 Stunden als intravenoese Infusion erhoehen werden.
Bei Nierenfunktionsstoerungen ist eine Dosisanpassung unbedingt erforderlich, da Aciclovir ueberwiegend renal eliminiert wird. Bei einer Kreatinin-Clearance unter 25 ml/min sollte die Dosis halbiert oder das Dosierungsintervall verlaengert werden.
Nebenwirkungen
Haeufige Nebenwirkungen
Aciclovir wird bei den meisten Patienten gut vertragen. Gelegentliche Nebenwirkungen umfassen Kopfschmerzen, Uebelkeit, Erbrechen und Durchfall. Schwindel und Muedigkeit koennen auftreten. Bei topischer Anwendung (Creme) koennen lokale Hautreaktionen wie vorubergehendes Brennen, Stechen oder Juckreiz an der Auftragsstelle auftreten.
Seltene und schwere Nebenwirkungen
Wichtiger Hinweis: Insbesondere bei hohen Dosen oder bei eingeschraenkter Nierenfunktion koennen neurologische Nebenwirkungen wie Verwirrtheit, Halluzinationen, Zittern oder Krampfanfaelle auftreten. Nierenfunktionsstoerungen koennen bei unzureichender Fluessigkeitszufuhr oder hohen Dosen auftreten, da Aciclovir-Kristalle in den Nierentubuli ausfallen koennen. Regelmaessige Nierenwertkontrollen sind bei Langzeitbehandlungen empfehlenswert.
Warnhinweise & Vorsichtsmaßnahmen
Aciclovir sollte bei Patienten mit eingeschraenkter Nierenfunktion mit Vorsicht angewendet und die Dosis entsprechend angepasst werden. Sorgen Sie fuer eine ausreichende Fluessigkeitszufuhr waehrend der Behandlung, besonders bei hoeheren Dosen. Neurologische Nebenwirkungen sind bei eingeschraenkter Nierenfunktion, hohen Dosen und bei aelteren Patienten haeufiger.
Wichtiger Hinweis: Aciclovir verhindert nicht die Uebertragung von Herpesviren auf andere Personen. Verwenden Sie Kondome bei Genitalherpes und vermeiden Sie Hautkontakt mit betroffenen Stellen, auch waehrend der Behandlung.
Gegenanzeigen
Aciclovir ist kontraindiziert bei bekannter Ueberempfindlichkeit gegen Aciclovir, Valaciclovir oder sonstige Bestandteile des Praeparats. Die Anwendung sollte in der Schwangerschaft nur nach sorgfaeltiger Nutzen-Risiko-Abwaegung erfolgen; fuer die Behandlung schwerer Herpesinfektionen waehrend der Schwangerschaft ist Aciclovir jedoch zugelassen, da der Nutzen die potenziellen Risiken ueberwiegt.
Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance unter 10 ml/min) sind stark reduzierte Dosen und eine engmaschige Ueberwachung der Nierenfunktion erforderlich. Die intravenoese Gabe von Aciclovir darf nicht zu schnell erfolgen, da dies zu Nierenfunktionsstoerungen fuehren kann. Patienten mit neurologischen Erkrankungen oder bekannten Enzephalopathien sollten Aciclovir mit Vorsicht erhalten.
Häufig gestellte Fragen
Heilt Aciclovir Herpes dauerhaft?
Wann soll ich Aciclovir beginnen einzunehmen?
Kann ich Aciclovir als Dauertherapie einnehmen?
Dr. Ross Elledge
Allgemeinarzt · Allgemein- & Familienmedizin
Verifizierter Gesundheitsexperte
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