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Antibiotika – verantwortungsvoll ärztlich verordnet

Antibiotika retten Leben, doch ihre Wirksamkeit hängt vom richtigen Einsatz ab. Als verschreibender Arzt sehe ich es als Pflicht, Antibiotika nur bei klarer bakterieller Indikation zu verordnen. Die AGES warnt eindringlich vor Resistenzbildung durch unkritische Verschreibung. Bei Dr. Presc wird jede Konsultation sorgfältig geprüft, um das passende Antibiotikum für die jeweilige Infektion auszuwählen oder eine unnötige Verschreibung zu vermeiden.

Antibiotika wirken ausschliesslich gegen Bakterien, nicht gegen Viren wie bei Erkältung oder Grippe

Die AGES fordert eine gezielte Verschreibung nach dem Grundsatz so schmal wie möglich und so breit wie nötig

Die vollständige Einnahme gemäss Verordnung ist entscheidend, um Resistenzbildung zu vermeiden

Häufige Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt und lassen sich durch begleitende Probiotika mildern

Über Antibiotika

Grundlagen der Antibiotikatherapie

Antibiotika zählen zu den wichtigsten Errungenschaften der modernen Medizin.

Sie werden zur Behandlung bakterieller Infektionen eingesetzt und wirken, indem sie Bakterien abtöten (bakterizid) oder deren Wachstum hemmen (bakteriostatisch).

Gegen Viren, Pilze oder Parasiten sind Antibiotika unwirksam, weshalb eine korrekte Diagnose vor jeder Verschreibung unabdingbar ist.

Die AGES und die Ärztekammer betonen, dass Österreich vor einer wachsenden Herausforderung durch Antibiotikaresistenzen steht.

Laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) verursachen resistente Bakterien in Europa jährlich über 35.000 Todesfälle.

In Österreich liegt der Antibiotikaverbrauch zwar unter dem EU-Durchschnitt, doch die Resistenzraten bei bestimmten Keimen wie MRSA und ESBL-bildenden Enterobakterien steigen.

Hauptklassen der Antibiotika:

  • Penicilline (Amoxicillin, Amoxicillin/Clavulansäure) als häufigste Erstlinientherapie bei Atemwegs- und Harnwegsinfektionen
  • Makrolide (Azithromycin, Clarithromycin) bei Penicillin-Unverträglichkeit oder atypischen Erregern
  • Cephalosporine (Cefuroxim, Ceftriaxon) als Breitspektrum-Alternative
  • Fluorchinolone (Ciprofloxacin, Levofloxacin) nur bei schweren Infektionen, da die BASG vor Nebenwirkungen an Sehnen und Nerven warnt
  • Tetracycline (Doxycyclin) bei Atemwegsinfektionen, Akne und bestimmten Geschlechtskrankheiten
  • Nitroimidazole (Metronidazol) bei anaeroben Infektionen und bestimmten Parasitosen

Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach dem vermuteten Erreger, dem Infektionsort, der lokalen Resistenzlage und dem individuellen Patientenprofil.

Häufige bakterielle Infektionen und ihre Behandlung

Antibiotika werden bei einer Vielzahl bakterieller Infektionen verordnet, wobei jede Infektion eine spezifische Behandlungsstrategie erfordert.

Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Gründen für eine Antibiotikaverschreibung.

Unkomplizierte Blasenentzündungen bei Frauen werden laut AGES-Empfehlung bevorzugt mit Pivmecillinam, Fosfomycin oder Nitrofurantoin behandelt.

Trimethoprim bleibt eine Option, zeigt jedoch steigende Resistenzraten. Bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen ist eine Urinkultur vor der Therapie ratsam.

Atemwegsinfektionen erfordern eine sorgfältige Unterscheidung zwischen viralen und bakteriellen Ursachen.

Eine akute Bronchitis ist in über 90 Prozent der Fälle viral bedingt und benötigt kein Antibiotikum.

Bei bakterieller Sinusitis mit Beschwerdedauer über zehn Tage oder Verschlechterung nach initialer Besserung wird Amoxicillin als Erstlinientherapie empfohlen.

Eine ambulant erworbene Lungenentzündung erfordert in der Regel eine antibiotische Behandlung mit Amoxicillin oder bei atypischen Erregern mit Azithromycin.

Hautinfektionen wie Erysipel und Zellulitis sprechen auf Penicillin V oder Flucloxacillin an.

Bei Abszessen steht die chirurgische Drainage im Vordergrund, ein Antibiotikum ist nur bei umgebender Entzündung oder systemischen Zeichen erforderlich.

Sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien werden standardmässig mit Doxycyclin 100 mg zweimal täglich über sieben Tage behandelt.

Gonorrhö erfordert aufgrund zunehmender Resistenzen eine Kombinationstherapie.

Symptome, die auf eine bakterielle Infektion hindeuten:

  • Fieber über 38,5 Grad Celsius mit lokalisierter Entzündung
  • Eitriges Sekret aus Wunde, Harnröhre oder Atemwegen
  • Verschlechterung nach anfänglicher Besserung einer Erkältung
  • Anhaltende Beschwerden über mehr als 10 Tage ohne Tendenz zur Besserung

Richtige Einnahme und Nebenwirkungen

Die korrekte Einnahme von Antibiotika ist entscheidend für den Therapieerfolg und die Vermeidung von Resistenzbildung.

Die AGES mahnt, dass jedes nicht korrekt eingenommene Antibiotikum zur Resistenzentwicklung beiträgt.

Grundregeln der Einnahme:

  • Das Antibiotikum stets in der verordneten Dosis und Häufigkeit einnehmen, also etwa alle 8 Stunden bei dreimal täglicher Dosierung
  • Die verschriebene Behandlungsdauer vollständig einhalten, auch wenn die Beschwerden bereits nachgelassen haben
  • Die Einnahme mit ausreichend Wasser erfolgen, nicht mit Milch oder Grapefruitsaft, die die Aufnahme bestimmter Antibiotika beeinflussen
  • Einige Antibiotika nüchtern einnehmen (Flucloxacillin), andere zur Mahlzeit (Amoxicillin/Clavulansäure) – die Packungsbeilage gibt Auskunft

Häufige Nebenwirkungen betreffen vor allem den Verdauungstrakt. Durchfall, Übelkeit und Bauchschmerzen treten bei 5–25 Prozent der Patienten auf und sind Folge der Beeinträchtigung der Darmflora.

Probiotika mit Saccharomyces boulardii oder Lactobacillus rhamnosus können diese Nebenwirkungen gemäss Studien um 40–50 Prozent vermindern.

Weitere mögliche Nebenwirkungen:

  • Hautausschläge bei 2–5 Prozent, besonders bei Penicillinen und Cephalosporinen
  • Vaginale Pilzinfektionen als Folge der gestörten Schleimhautflora
  • Erhöhte Lichtempfindlichkeit bei Doxycyclin – direktes Sonnenlicht meiden
  • Sehnen- und Nervenschäden bei Fluorchinolonen, weshalb die BASG deren Einsatz auf schwere Infektionen beschränkt
  • Wechselwirkung mit oralen Kontrazeptiva – bei Erbrechen oder Durchfall ist die Verhütungssicherheit möglicherweise beeinträchtigt

Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion wie Hautausschlag mit Juckreiz, Schwellung von Gesicht oder Zunge oder Atemnot muss das Antibiotikum sofort abgesetzt und ein Arzt konsultiert werden.

Antibiotikaresistenz und verantwortungsvoller Umgang

Antibiotikaresistenz ist eine der grössten Bedrohungen für die globale Gesundheit.

Die AGES warnt, dass resistente Keime in Österreich zunehmen und bestimmte Infektionen immer schwerer zu behandeln sind.

Verantwortungsvoller Umgang beginnt bei jeder einzelnen Verschreibungsentscheidung.

Wie entstehen Resistenzen? Bakterien vermehren sich rasant und können bei unvollständiger Behandlung oder unnötigem Antibiotikaeinsatz Überlebensmechanismen entwickeln.

Diese resistenten Stämme geben ihre Widerstandsfähigkeit an andere Bakterien weiter. Je häufiger und breiter Antibiotika eingesetzt werden, desto schneller schreitet die Resistenzentwicklung voran.

Die Ärztekammer empfiehlt folgende Grundsätze:

  • Antibiotika nur bei gesicherter oder hochwahrscheinlicher bakterieller Infektion einsetzen
  • Schmalspektrumantibiotika bevorzugen, um die Darmflora möglichst wenig zu beeinträchtigen
  • Die Behandlungsdauer so kurz wie klinisch vertretbar halten – aktuelle Studien zeigen, dass kürzere Therapien bei vielen Infektionen gleich wirksam sind
  • Vor der Verschreibung bei unklarer Diagnose eine Urinkultur oder einen Abstrich veranlassen

Bei Dr. Presc wird jede Antibiotika-Anfrage von einem zugelassenen Arzt individuell geprüft.

Ergibt die Konsultation, dass die Beschwerden wahrscheinlich viral bedingt sind, wird kein Antibiotikum verschrieben, sondern eine symptomatische Behandlung empfohlen.

Dieses Vorgehen entspricht dem Grundsatz der AGES, Antibiotika nur dann einzusetzen, wenn sie tatsächlich einen Nutzen bieten.

Was Sie als Patient beitragen können:

  • Übriggebliebene Antibiotika niemals eigenständig einnehmen oder an andere weitergeben
  • Bei leichten Infekten zunächst abwarten und nicht auf ein Antibiotikum drängen
  • Gründliche Händehygiene als wichtigste Massnahme gegen die Verbreitung resistenter Keime
  • Impfungen wahrnehmen, um Infektionen von vornherein zu vermeiden

Frequently Asked Questions

Wirken Antibiotika gegen Erkältung und Grippe?
Nein, Erkältungen und Grippe werden durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika unwirksam sind. Nur bei einer bakteriellen Superinfektion, etwa einer eitrigen Nasennebenhöhlenentzündung, kann ein Antibiotikum sinnvoll werden. Der Arzt beurteilt dies anhand der Symptome.
Was passiert, wenn ich das Antibiotikum vorzeitig absetze?
Ein vorzeitiges Absetzen kann dazu führen, dass nicht alle Bakterien abgetötet werden und resistente Stämme überleben. Die Infektion kann zurückkehren und ist dann möglicherweise schwerer zu behandeln. Halten Sie die verordnete Dauer immer vollständig ein.
Darf ich Alkohol trinken während der Antibiotikatherapie?
Bei Metronidazol und Tinidazol ist Alkohol strikt kontraindiziert, da schwere Übelkeit und Erbrechen auftreten können. Bei den meisten anderen Antibiotika ist moderater Konsum zwar nicht verboten, aber auch nicht empfehlenswert, da Alkohol die Genesung verlangsamen kann.
Beeinflussen Antibiotika die Wirkung der Pille?
Die meisten Antibiotika beeinflussen die Pillenwirkung nicht direkt. Allerdings können Durchfall oder Erbrechen die Aufnahme der Pille stören und so die Verhütungssicherheit verringern. Rifampicin ist ein Sonderfall, der die Pillenwirkung tatsächlich vermindert.
Soll ich während der Antibiotikatherapie Probiotika nehmen?
Probiotika mit Saccharomyces boulardii oder Lactobacillus rhamnosus können antibiotikabedingten Durchfall um 40–50 Prozent verringern. Nehmen Sie das Probiotikum mindestens 2 Stunden versetzt zum Antibiotikum ein und führen Sie es nach Therapieende noch 1–2 Wochen weiter.
Medizinisch geprüft

Dr. Ross Elledge

Facharzt für Chirurgie · Mund-, Kiefer- & Gesichtschirurgie

Verifizierter Gesundheitsexperte

Die medizinischen Informationen auf dieser Website wurden von Dr. Ross Elledge (approbierter Arzt) geprüft und dienen ausschließlich Bildungszwecken. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch mit Ihrem Arzt oder Facharzt. Befolgen Sie stets die Anweisungen Ihres verschreibenden Arztes und lesen Sie die Packungsbeilage Ihres Medikaments.