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Schmerzbehandlung – ärztlich verordnete Analgetika

Schmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität und die Arbeitsfähigkeit erheblich. Als verschreibender Arzt weiss ich, dass viele Patienten zu lange mit unzureichender Selbstmedikation leben, bevor sie ärztliche Hilfe suchen. Die Ärztekammer empfiehlt einen stufenweisen Ansatz nach dem WHO-Schmerzschema, der die Ursache berücksichtigt und das Suchtrisiko minimiert. Eine gezielte Therapie lindert Schmerzen wirksam und sicher.

Das WHO-Stufenschema bildet die Grundlage der Schmerztherapie mit Paracetamol und NSAIDs als Basis

Naproxen bietet unter den NSAIDs das günstigste kardiovaskuläre Sicherheitsprofil bei gleichzeitig langer Wirkdauer von 8–12 Stunden

Muskelrelaxantien wie Tizanidin lindern akute muskuloskeletale Schmerzen kurzfristig, sind aber nicht für die Langzeitanwendung geeignet

Die BASG warnt vor einer Langzeitanwendung von NSAIDs ohne Magenschutz wegen erhöhtem Ulkus- und Blutungsrisiko

Über Schmerzlinderung

Schmerzarten und deren Bedeutung

Schmerz ist ein komplexes Phänomen, das sowohl eine Schutzfunktion erfüllt als auch bei chronischem Verlauf zur eigenständigen Erkrankung wird.

In Österreich leidet laut Daten der Österreichischen Schmerzgesellschaft rund jeder fünfte Erwachsene an chronischen Schmerzen, die länger als drei Monate anhalten.

Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen sind erheblich.

Nozizeptiver Schmerz entsteht durch Gewebeschädigung oder -reizung und wird über Schmerzrezeptoren vermittelt.

Typische Beispiele sind Gelenkschmerzen bei Arthrose, Rückenschmerzen durch Bandscheibenprobleme, Regelschmerzen und postoperative Schmerzen.

Dieser Schmerztyp spricht gut auf klassische Analgetika wie NSAIDs und Paracetamol an.

Neuropathischer Schmerz entsteht durch Schädigung oder Erkrankung des Nervensystems und äussert sich als Brennen, Stechen, Kribbeln oder einschiessendes Schmerzgefühl.

Ursachen umfassen diabetische Neuropathie, Postzosterneuralgie, Trigeminusneuralgie und Nervenkompressionen.

Dieser Schmerztyp erfordert spezifische Medikamente wie Gabapentin, Pregabalin oder Amitriptylin.

Viszeraler Schmerz geht von inneren Organen aus und ist oft schwer zu lokalisieren. Beispiele sind Gallenkoliken, Nierensteine und Menstruationsbeschwerden.

Häufige Schmerzbilder in der ärztlichen Praxis:

  • Akuter Rückenschmerz als einer der häufigsten Beratungsanlässe
  • Arthroseschmerzen in Knie, Hüfte und Händen
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Zahnschmerzen und postoperative Schmerzen
  • Muskelschmerzen nach Überlastung oder Verletzung

Die Ärztekammer betont, dass eine ursächliche Abklärung bei erstmaligen oder veränderten Schmerzen stets angestrebt werden sollte, bevor eine rein symptomatische Behandlung begonnen wird.

Medikamentöse Schmerztherapie

Die medikamentöse Schmerzbehandlung orientiert sich am WHO-Stufenschema, das die Ärztekammer und die Österreichische Schmerzgesellschaft als Grundlage empfehlen.

Die Therapie wird stufenweise eskaliert, bis eine zufriedenstellende Schmerzkontrolle erreicht ist.

Stufe 1: Nicht-opioide Analgetika

  • Paracetamol (bis 3.000 mg täglich bei Erwachsenen) als gut verträgliche Basisoption. Vorsicht bei Lebererkrankungen und Alkoholkonsum. Hepatotoxisch in Überdosierung.
  • Ibuprofen (1.200–2.400 mg täglich) mit entzündungshemmender und schmerzlindernder Wirkung. Wirkdauer 4–6 Stunden. Magenschutz bei Risikofaktoren empfohlen.
  • Naproxen (500–1.000 mg täglich) mit dem günstigsten kardiovaskulären Profil unter den NSAIDs und einer Wirkdauer von 8–12 Stunden.
  • Diclofenac (75–150 mg täglich) hochwirksam, aber mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko laut BASG, daher nicht als Erstlinie bei Risikopatienten.

Adjuvante Medikamente:

  • Muskelrelaxantien (Tizanidin, Baclofen) bei akuten Muskelverspannungen, zeitlich begrenzt auf 2–4 Wochen
  • Topische NSAIDs (Diclofenac-Gel) bei lokalen Schmerzen mit geringerer systemischer Belastung
  • Neuropathische Schmerzmittel (Gabapentin, Pregabalin, Amitriptylin) bei Nervenschmerzen

Die BASG warnt ausdrücklich vor den Risiken einer unkontrollierten NSAID-Langzeiteinnahme:

  • Magengeschwüre und gastrointestinale Blutungen bei 1–4 Prozent pro Jahr
  • Erhöhung des kardiovaskulären Risikos, besonders bei Diclofenac und hochdosiertem Ibuprofen
  • Nierenfunktionsverschlechterung bei vorbestehender Niereninsuffizienz
  • Wechselwirkungen mit Blutdruckmedikamenten und Antikoagulantien

Bei Dauereinnahme von NSAIDs empfiehlt die Ärztekammer einen Magenschutz mit einem Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol.

Ärztliche Beurteilung und Verschreibungspraxis

Die ärztliche Beurteilung vor der Verschreibung von Schmerzmedikamenten ist ein zentraler Sicherheitsmechanismus. Bei Dr.

Presc wird jede Konsultation individuell geprüft, um die passende Therapie zu finden und Risiken zu minimieren.

Erhobene Informationen bei der Konsultation:

  • Art, Lokalisation, Intensität und Dauer der Schmerzen
  • Auslöser, Verstärker und lindernde Faktoren
  • Bisherige Schmerzmedikation und deren Wirksamkeit
  • Begleiterkrankungen, insbesondere Magen-Darm-Ulkus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- und Leberinsuffizienz
  • Aktuelle Medikation zur Prüfung von Wechselwirkungen

Situationen, die eine persönliche ärztliche Vorstellung erfordern:

  • Erstmalige starke oder unklare Schmerzen, die eine körperliche Untersuchung erfordern
  • Chronische Schmerzen, die länger als drei Monate anhalten und einer multimodalen Abklärung bedürfen
  • Verdacht auf eine schwere Grunderkrankung als Schmerzursache
  • Schmerzen nach Unfall oder Verletzung mit Verdacht auf Fraktur
  • Bedarf an opioidhaltigen Schmerzmedikamenten, die über Dr. Presc nicht verordnet werden

Dr.

Presc eignet sich für die Behandlung von bekannten, wiederkehrenden Schmerzbildern wie akute Rückenschmerzen bei bekannter Problematik, Arthroseschmerzen unter bestehender Therapie, Regelschmerzen und kurzfristige Schmerzbehandlung bei bekannter Ursache.

Der verschreibende Arzt achtet auf alarmende Hinweise, die auf eine schwerwiegende Ursache deuten:

  • Unerklärlicher Gewichtsverlust in Kombination mit Schmerzen
  • Nachtschmerzen, die den Schlaf stören und nicht auf Schmerzmittel ansprechen
  • Fieber in Kombination mit Rücken- oder Gelenkschmerzen
  • Neurologische Ausfälle wie Taubheit, Muskelschwäche oder Blasenstörung
  • Schmerzen nach Trauma oder bei bekannter Osteoporose

Nicht-medikamentöse Schmerzlinderung

Nicht-medikamentöse Massnahmen sind ein wesentlicher Bestandteil jeder Schmerzbehandlung und können den Medikamentenbedarf deutlich reduzieren.

Die Österreichische Schmerzgesellschaft empfiehlt einen multimodalen Ansatz, der verschiedene Therapieformen kombiniert.

Physikalische Therapie:

  • Wärmeanwendungen (Wärmflasche, Rotlicht, warme Bäder) bei chronischen Muskelverspannungen und Arthroseschmerzen
  • Kälteanwendungen bei akuten Entzündungen, Schwellungen und frischen Verletzungen
  • Physiotherapie mit gezielten Übungen zur Kräftigung und Mobilisierung
  • Manuelle Therapie und Massage bei muskuloskeletalen Schmerzen

Bewegung und Aktivität:

  • Regelmässige moderate Bewegung ist bei chronischen Schmerzen wirksamer als Schonung
  • Schwimmen und Wassergymnastik bei Gelenkschmerzen, da die Belastung im Wasser reduziert ist
  • Yoga und Pilates verbessern Flexibilität, Kraft und Schmerztoleranz
  • Spazierengehen als niederschwellige Aktivität mit nachgewiesenem Nutzen bei Rückenschmerzen

Psychologische Methoden:

  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobson zur Reduktion von Muskelverspannungen
  • Achtsamkeitsmeditation mit nachgewiesener Wirksamkeit bei chronischen Schmerzen
  • Kognitive Verhaltenstherapie zur Veränderung schmerzfördernder Denkmuster
  • Biofeedback als Ergänzung bei chronischen Kopf- und Rückenschmerzen

Weitere hilfreiche Massnahmen:

  • Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes bei sitzbedingten Rücken- und Nackenschmerzen
  • Ausreichend Schlaf, da Schlafmangel die Schmerzempfindlichkeit erhöht
  • Stressreduktion, da chronischer Stress die Schmerzwahrnehmung verstärkt
  • TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation) als nicht-invasive Schmerzlinderung
  • Akupunktur mit Evidenz bei chronischen Rückenschmerzen und Kniearthrose

Frequently Asked Questions

Welches Schmerzmittel ist am verträglichsten?
Paracetamol hat das günstigste Magen- und Herz-Kreislauf-Profil, wirkt aber nicht entzündungshemmend. Unter den NSAIDs bietet Naproxen das beste kardiovaskuläre Sicherheitsprofil. Die Wahl hängt von der Schmerzursache, der Dauer und den individuellen Risikofaktoren ab.
Wie lange darf ich Ibuprofen nehmen?
Ohne ärztliche Aufsicht maximal drei bis fünf Tage in Selbstmedikation. Bei längerer Einnahme empfiehlt die BASG eine ärztliche Beurteilung und bei Risikofaktoren einen Magenschutz mit Omeprazol. Chronische Einnahme erfordert regelmässige Kontrolle von Nierenwerten und Blutbild.
Kann ich verschiedene Schmerzmittel kombinieren?
Paracetamol und ein NSAID wie Ibuprofen dürfen zeitversetzt kombiniert werden und wirken oft besser als ein Einzelpräparat. Zwei verschiedene NSAIDs sollten niemals gleichzeitig eingenommen werden, da dies Nebenwirkungen verstärkt, ohne die Wirkung zu verbessern.
Wann brauche ich bei NSAIDs einen Magenschutz?
Die BASG empfiehlt einen Protonenpumpenhemmer bei NSAID-Einnahme über fünf Tage, bei Alter über 65 Jahren, bei Magenulkus in der Vorgeschichte, bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulantien oder Kortison und bei mehreren kombinierten Risikofaktoren.
Sind rezeptpflichtige Schmerzmittel stärker als rezeptfreie?
Nicht unbedingt – höhere Dosen von Ibuprofen oder Naproxen sind rezeptpflichtig und wirksamer als die rezeptfreien Dosierungen. Rezeptpflichtige Mittel wie Muskelrelaxantien und neuropathische Schmerzmittel wirken über andere Mechanismen und eignen sich für spezifische Schmerztypen.
Medizinisch geprüft

Dr. Ross Elledge

Facharzt für Chirurgie · Mund-, Kiefer- & Gesichtschirurgie

Verifizierter Gesundheitsexperte

Die medizinischen Informationen auf dieser Website wurden von Dr. Ross Elledge (approbierter Arzt) geprüft und dienen ausschließlich Bildungszwecken. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch mit Ihrem Arzt oder Facharzt. Befolgen Sie stets die Anweisungen Ihres verschreibenden Arztes und lesen Sie die Packungsbeilage Ihres Medikaments.